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Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 19:32

SPON hat geschrieben:Freiwilliger Karriereverzicht
Mit 500 Euro das große Glück


Von Anna-Lena Roth

Gerrit von Jorck könnte Spitzenverdiener sein: Sein VWL-Studium hat er mit 1,0 abgeschlossen, er war im Ausland, hat Praktika absolviert. Alles richtig gemacht also. Doch von Jorck lebt von 500 Euro im Monat - weil er das so will. Über einen, dem Zeit das Wichtigste ist.

Zu seinen einstigen Studienfreunden hat Gerrit von Jorck kaum noch Kontakt. Gemeinsam hörten sie in Köln Vorlesungen zur Volkswirtschaft, saßen in Seminaren zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Planten mit einer Zukunft in finanzieller Sicherheit. Inzwischen verdienten seine meisten Ex-Kommilitonen so viel, dass sie schon nicht mehr darüber redeten, sagt von Jorck, 27. "Ich will nicht mit ihnen tauschen." Er selbst lebt von 500 Euro im Monat.

Wenn von Jorck wollte, könnte er Spitzenverdiener sein. Er hat seinen VWL-Abschluss mit 1,0 gemacht, er war zum Auslandsstudium in Budapest, hat mehrere Praktika absolviert. Alles richtig gemacht also. Doch nach dem Ende seines Studiums fragte sich von Jorck, was genau er eigentlich erreichen wollte. Im Leben, in den kommenden Jahren. Mit seiner Vita hatte er unendlich viele Optionen. "Ich war prädestiniert für einen guten Job", sagt er. Aber war das auch sein Ziel?

Von Jorck entschied, dass Zeit wichtiger ist als Geld. Zeitwohlstand. So nennt er, was er will. "Viele Menschen jammern, dass ihnen Zeit fehlt. Sie arbeiten, konsumieren, arbeiten und konsumieren wieder", sagt von Jorck. "In die Mühle will ich nicht rein."

Auch, weil die Lebenssituation seiner Eltern ihm zu denken gegeben hat, wie er sagt. Sie arbeiten als Krankenpfleger, haben ein Haus gekauft, alle zwei Jahre muss wieder ein Fernseher her. "Sie sind abhängig von ihrem Einkommen", sagt von Jorck. "Wenn einer von beiden seinen Job verliert, verlieren sie alles."

Vier Euro pro Tag

Von Jorck ging zurück an die Uni, er macht gerade seinen Master in Philosophie. Zehn Stunden pro Woche arbeitet er am Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, nebenbei kümmert er sich um die Homepage von Rüdiger Sagel, dem Landessprecher der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen. So kommt von Jorck auf 500 Euro im Monat. Zieht er die Kosten für Miete und Krankenversicherung ab, bleiben ihm 120 Euro.

Das ist weniger als ein Drittel des Hartz-IV-Satzes. Vier Euro pro Tag. Das schafft von Jorck, weil er mit dem Fahrrad und nicht mit den Bahnen fährt. Weil er im Supermarkt die Billig-Marken sucht. Weil er seine Kleidung nicht im Laden kauft, sondern aus Schenkläden der Stadt mitnimmt. Weil er abends höchstens mal zwei Bier in der Kneipe nebenan trinkt, statt Cocktails in der Szenebar. Weil er kocht, statt ins Restaurant zu gehen. Sein Lieblingsessen ist Reispfanne mit Möhre, Zwiebel, Paprika, Gurke. 1,50 Euro koste ihn das etwa, sagt von Jorck. Die Portion reiche für drei Leute.

"Ich darbe nicht, mir geht es gut", sagt von Jorck. Und wer ihm länger zuhört, begreift: Er meint das so. Das wenige Geld sieht er nicht als Einschränkung, im Gegenteil: Je weniger er braucht, desto weniger abhängig ist er.

Dass ein Student mit wenig Geld auskommen muss, ist kein Einzelfall. Dass er bewusst auf eine finanziell sichere Zukunft verzichtet, schon. Von Jorck lebt das Gegenteil vom Streben nach immer mehr - mehr Geld, mehr Luxus. Und ist damit Teil einer wachsenden Bewegung (siehe Übersicht am Ende dieses Textes).

Kein Job - kein Ansehen

Es gibt Menschen, die den Verzicht noch radikaler leben. Der Berliner Raphael Fellmer zum Beispiel kommt komplett ohne Geld aus. Das käme für von Jorck nicht in Frage. Schließlich sei Fellmer immer von anderen Menschen abhängig. Menschen, die ihn kostenlos zur Untermiete wohnen lassen, die ein Fahrrad abgeben oder Essen. "Ich sehe mich nicht als Aussteiger aus der Gesellschaft", sagt von Jorck. "Ich habe nur das Tempo verlangsamt."

Er trägt Dreitagebart, eine Brille mit runden Gläsern und dünnem Rand. Und wenn er redet - über die Arbeitswelt, über seine Ziele und Finanzen - dann klingt er älter, als er aussieht.

In seiner vielen Freizeit macht von Jorck Yoga, trifft Freunde, geht zu Lesekreisen, engagiert sich bei Attac und in der Linkspartei. "Bei mir gibt es keinen typischen Alltag", sagt der 27-Jährige. Er genießt das Aufstehen ohne Wecker. Das Gefühl, sich nur nach den eigenen Wünschen richten zu können, und nicht nach einem Dienstplan.

Trotzdem, so sagt er, braucht er einen Job. "Wenn du keinen hast, ist das in unserer Gesellschaft echt bitter. Erst mit einer Arbeitsstelle bist du anerkannt. Hast bewiesen, dass du leistungsfähig bist." Wer fragt: 'Was machst du?' will eigentlich wissen: 'Wo arbeitest du?'

Segeln im Mittelmeer, Wandern in Brandenburg

Seine Wohnung im Berliner Stadtteil Neukölln teilt sich von Jorck mit zwei Freundinnen, es gibt keinen Kühlschrank, Fleisch wird nicht gekauft, Käse nur selten. Zu teuer. In seinem 23-Quadratmeter-Zimmer steht ein Holzschrank von seiner Oma, den Tisch haben sich seine Eltern vor 30 Jahren zur Hochzeit gekauft. Die Matratze ist vom Sperrmüll.

Seine bisherigen Freundinnen hätten kein Problem mit seinem Lebensstil gehabt, sagt von Jorck. Eine gab es, deren Eltern hätten nie verstanden, dass er mit seiner Ausbildung keine Karriere anstrebt. Nicht lebt, wie seine Ex-Kommilitonen. Wenn die Urlaub machen, chartern sie eine Yacht und schippern zwei Wochen über das Mittelmeer, sagt von Jorck. Er geht wandern in Brandenburg.

Zukunftspläne

Momentan ist von Jorck Single, unfreiwillig. Er denkt nach über das Älterwerden, über Kinder und wie er sie großziehen möchte. Eine Zehn-Stunden-Woche wird dann nicht mehr ausreichen, er weiß das. Er will bald auf 20 Stunden aufstocken, länger möchte er nie arbeiten. Er rechnet mit einem Monatsgehalt von 1200 Euro, das soll reichen.

Mit elf Bekannten will er spätestens 2015 ein Haus am Stadtrand von Berlin kaufen, die Kinder sollen dort gemeinsam aufwachsen. Es ist auch eine Art Altersvorsorge, denn von Jorck ist bewusst, dass es schwer wird mit der Rente. Es ist das Faszinierende an ihm: Er klingt nicht verträumt oder wirklichkeitsfremd. Es gebe keinen Grund, sich Sorgen zu machen, sagt er. Nicht über die Schulden aus dem Studium, nicht über den Kredit, den er für das Haus aufnehmen muss. Die Zinsen seien derzeit ja extrem niedrig. Er hat gerechnet und geplant, das hat er schließlich gelernt, sagt er. "Ich bin immerhin Volkswirt."

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 42518.html

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raellear
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Re: Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 19:51

Hier, dazu passend das Projekt von zwei Bekannten: http://nheise.de/blog/?page_id=7

Ich persoenlich bin dem eher skeptisch gegenueber gestellt, entspricht auchnicht ganz meiner Lebensphilosophie, aber gespannt auf den Ausgang bin ich trotzdem irgendwo.
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Re: Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 20:13

Ich hab die einzelnen Rubriken bislang nur quer gelesen, aber gefällt mir sehr gut, was an Idee dahinter steht. Könnte ich mir ebenfalls vorstellen, etwas Derartiges. :2daumen:
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Re: Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 20:52

Konsequenterweise müsste man die Idee von Privatbezitz auch noch aufgeben (sonst wäre es "nur" eine WG), aber daran scheiterts meistens. Spätestens, wenn die Kasse leer ist und die Mägen knurren, löst sich das auf und jeder rettet seine Haut. Eine volle Kasse kann zu ähnlichen Problem führen (in der Art ein Klavier anschaffen, oder Rücklagen bilden). Wie finanziert sich das? Finds trotzdem klasse, denn solange Leute immer wieder Anlauf nehmen und neue Lebenskonzepte nicht nur planen sondern auch umzusetzen, besteht noch Hoffnung, dass sich irgendwann auch mal im Grossen was ändert ;) Hab mit einer guten Freundin (polygame Patchworkfamilyspezialistin :rofl: ) mehr oder weniger ernsthaft schon ein paar mal überlegt im Rentenalter sowas aufzuziehen, ohne Druck noch was erwirtschaften zu müssen und bin sicher, dass wir in 20-30 Jahren noch kuriose Formen neuer Lebensgemeinschaftdformen erleben werden :lol:
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Re: Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 22:51

diese art von menschen wird das kapitalistische system zu fall bringen.. weiter so :2daumen:
man kann mit noch weniger leben, wenn man sich sein essen selbst anbaut. scheiss auf fortschritt! ^^
Don't worry, nothing is under control.

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Re: Anders leben (Sammelthread)

9. Jan 2014, 23:12

man kann aber auch sehr gut mit sehr viel Geld leben wenns man den richtigen weggenommen hat :rofl:. Aber full ack Raterz!
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 11:44

raterz hat geschrieben:diese art von menschen wird das kapitalistische system zu fall bringen..
Indem sie weniger konsumieren? :spinnst:
raterz hat geschrieben: man kann mit noch weniger leben, wenn man sich sein essen selbst anbaut. scheiss auf fortschritt! ^^
Jop, man kann auch ganz gekonnt die Tatsache ignorieren, das arbeitsteilige Produktionsprozesse nunmal effizienter als isolierte sind, genauso wie man ignorieren kann, dass Fortschritt nicht reihenweise Burnout-Erkrankte voraussetzt. Wenn ihr auf Minimalismus steht, geht ab und zu mal Campen oder so, aber sowas ist Kindergarten - sorry, meine Meinung.
n19 hat geschrieben:Konsequenterweise müsste man die Idee von Privatbezitz auch noch aufgeben
Oha, das wird garantiert dazu führen, dass alle ganz fleißig mitarbeiten und sich auf keinen Fall auf dem Rücken der Gemeinschaft ausruhen werden (insbesondere wenn man sich mal so das Durchschnittsklientel bei solchen Vorhaben vor Augen führt :rofl: ) Vorauf das hinauslaufen wird ist völlig absehbar: Es wird ein paar Faule geben, die nichts tun und ein paar Normale. Die Normalen werden ne Zeit lang versuchen, die Faulen zur anständigen Mitarbeit zu bewegen, bis sie schließlich frustriert aufgeben. Ende der Geschichte.

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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 12:20

sagen wir: zumindest kein Privatbesitz an den Produktionsmitteln sollte schon ein Grundsatz sein. Und klar sind das antikapitalistische Ansätze weil der Stellenwert der Arbeit ein anderer ist und die Ertragmaximierung nicht im Vordergrund steht. Dass heisst ja nicht, absichtlich ineffizient zu arbeiten. btw: http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnarbeit_und_Kapital

Gibt auch durchaus Projekte, die schon älter sind und nicht zerplatzen. Kommune Niederkaufungen http://www.kommune-niederkaufungen.de/wurzeln-2/, z.B. seit 27 Jahren mit vielen Leuten, Finkenhof seit über 30 Jahren http://finkhof.de/start/ueber-uns

Es geht imo auch nicht daraum, dass ein Einzelner so lange mitmacht, sondern, dass das Projekt sich selber trägt.

Was selber auf die Beine zu stellen ist vermutlich sehr schwer, vor allem im Alter Raellear's Freunde. Alternativ könnte man sich ja anderen anschließen ;)

hier die Liste:

http://www.autoorganisation.org/wiki/An ... n/Kommunen
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 12:50

raterz hat geschrieben:diese art von menschen wird das kapitalistische system zu fall bringen.. weiter so :2daumen:
man kann mit noch weniger leben, wenn man sich sein essen selbst anbaut. scheiss auf fortschritt! ^^
das kapitalistische System ist längst (seit 2008) tod :rofl: und war abzusehen, dass es so kommt. Warum sonst hat man (ausgerechnet) Merkel hier schon früh als Oberchefin installiert. Doch nicht um das alte System zu retten :rofl: und die schleichende Enteignung, d.h. die Verminderung (oder besser: Sozialisierung) von Privatbesitz (Lebensversicherungen, Rentenansprüche der jetzt (noch) Arbeitenden, d.h. die monetäre Vergütung der erbrachten Arbeitszeit) läuft doch z.Z. auf vollen Touren.
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 13:18

Naja das ist ja im Grunde klar, bei einer so kleinen Gesellschaft lohnt es sich ja auch kaum, z.b. einen (guten) Locher nur für sich selbst anzuschaffen, in einer größeren Gesellschaft ist das ganze aber wenig sinnvoll, im Endeffekt wird jeder nur Versuchen, sich so gut es geht am Kapitalstock zu bereichern.

Finde das ganze trotzdem albern, das Maßlosigkeit und Habgier nichts erstrebenswertes sind, ist absolut keine neue Erkenntnis, das waren schon in der katholischen Kirche 'Wurzelsünden' und um sowas zu vermeiden, muss man nicht mit aller Gewalt gegen den Strom schwimmen. Witzlos darüberhinaus, den Kapitalismus als sein Feindbild (und ursächlich für Habgier) zu sehen.

n19 hat geschrieben:das kapitalistische System ist längst (seit 2008) tod :rofl: und war abzusehen, dass es so kommt. Warum sonst hat man (ausgerechnet) Merkel hier schon früh als Oberchefin installiert. Doch nicht um das alte System zu retten :rofl: und die schleichende Enteignung, d.h. die Verminderung (oder besser: Sozialisierung) von Privatbesitz (Lebensversicherungen, Rentenansprüche der jetzt (noch) Arbeitenden, d.h. die monetäre Vergütung der erbrachten Arbeitszeit) läuft doch z.Z. auf vollen Touren.
Mitnichten, du verkennst die Lage - das einzige was hier Tod ist, ist unser politisches System.

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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 13:53

... und die Rechtschreibung. /o\ :blacklol:
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 14:15

mal ohne politische Ideologie: diese "genossenschaftlichen" ökonomischen Modelle sind ziemlich robust. Im Gegensatz zu Investmentbanken (Lehman & Co.) sind Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken) gut durch die Bankenkrise gekommen, und btw auch gute Arbeitgeber ;)
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 15:20

Das hat nichts mit politischen Ideologien zutun, die von dir genannten Probleme sind aus rationaler Sicht schlicht auf die Politik zurückzuführen und deine Aussage ist in diesem Sinne unzutreffend. Was willst du damit sagen? Das Investmentbanking nun mal risikoreicher ist? :2daumen: Derartige Projekte sind einfach nur was für Leute, die das Abenteuer suchen und keine 'ernsthafte' alternative Form des Lebens und Wirtschaftens.

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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 15:44

eigentlich wollte ich Deinem Pessimismus
Derartige Projekte sind einfach nur was für Leute, die das Abenteuer suchen und keine 'ernsthafte' alternative Form des Lebens und Wirtschaftens.
widersprechen und habe versucht das mit Gegenbeispielen zu belegen, wo aus solchen Abenteuern doch ernsthafte Projekte wurden, die äusserst robust aufgestellt sind. Lass mich nochmal aus einer der Links oben zitieren:
So entwickelten wir uns langsam und vorsichtig zu einem Betrieb mit 9 Eigentümern und ca. 20 Angestellten. Letzere spielen bei uns eine wichtige Rolle. Die gesamten alltäglichen und betrieblichen Abläufe sind ohne sie undenkbar. Sie entlasten unseren Alltag und tragen oft zur guten Stimmung in Küche und Betrieb bei. Auszubildende und Praktikanten nehmen an unserem Leben Teil, was uns vor so manche Bewährungsprobe stellt.
Ich finde das ist schon eine ernsthafte Struktur. Von der Kommune zum mittelständischen Unternehmen mutiert.

Entstanden aus einem Abenteuer:
Entstanden ist die Schäfereigenossenschaft Finkhof in den 1970er Jahren aus einer Jugendwohngemeinschaft, die sich auf die damals roten Fahnen geschrieben hatte: alles ohne Chef, keine Familie, Selbstversorgung und politische Arbeit.Grundprinzipien, die noch heute für uns gelten, waren:
Ich drücke Raellears Bekannten daher fest die Daumen, dass die das auch schaffen. Möglich ist es ja. Obgleich ich Deinen Pessimismus ja teile und die Mitwirkung an ähnlichen Projektideen in der Vergangenheit (20 Jahre her) auch "aus dem Bauch" heraus abgelehnt habe. Was ich jetzt sehr bedauere, wo ich sehe, dass es doch tragfähige Projekte gibt. In einem Projekt wie oben würde ich mich jetzt viel wohler fühler, als in dem Job, den ich jetzt habe und wo ich mich zunehmend mehr als Handlager des Kapitalismus begreife (und dafür zugegeben auch gut bezahlen lasse :) ). Die Genossenschafts-Struktur scheint mir für solche Projekte eine gute Struktur zu sein, besser als eine GmbH. Als Beleg dafür, dass auch Genossenschaftliche Strukturen gross und kaptitalintensiv werden können, habe ich die Volksbanken genannt.

Mehr wollte ich nicht sagen. Und als Hinweis, dass reflexartige aus-dem-Bauch geht-nie-gut-Reaktionen auch falsch sein können.

Peace und schönes WE @all.
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Re: Anders leben (Sammelthread)

10. Jan 2014, 18:18

Bataloonie hat geschrieben: Indem sie weniger konsumieren? :spinnst:
jup, das bringt unser finanzsystem, welches auf schulden + zinsen basiert, endgültig aus dem ruder. das schneeballsystem endet halt, wenn es keine neuen idioten findet, die kredite aufnehmen.
Jop, man kann auch ganz gekonnt die Tatsache ignorieren, das arbeitsteilige Produktionsprozesse nunmal effizienter als isolierte sind, genauso wie man ignorieren kann, dass Fortschritt nicht reihenweise Burnout-Erkrankte voraussetzt. Wenn ihr auf Minimalismus steht, geht ab und zu mal Campen oder so, aber sowas ist Kindergarten - sorry, meine Meinung.
nö das ist kein kindergarten, sondern sowas wie optimistischer pessimismus ^^ wenn wir uns global gesehen frühzeitig selbst schach matt setzen, könnte es noch rechtzeitig genug sein, die ganze idee mit dem grenzenlosen wachstum in einer endlichen welt nochmal zu überdenken, bevor unsere ressourcen endgültig verschwunden sind und wir uns sozusagen den ast endgültig abgesägt haben, auf dem wir saßen.
wenn man sich die neuen technologien anguckt, die an den startlöchern stehen, dann könnte vielleicht klar sein, warum man gegen so etwas sein könnte, weil die menschheit dafür einfach nicht reif ist. bestes beispiel ist die gentechnik.
und um auf deine krankheiten zu kommen: die meisten davon sind sehr wohl durch unseren gesellschaftlichen fortschritt beding - bspw. durch fehlernährung.
minimalismus ist eben die antwort auf die frage, wie man glücklich wird. bestimmt nicht mit noch neueren technologien.
es fehlt vielmehr die geistige technologie. meditation und entspannungsübungen sollten pflichtfächer in den schulen werden. das wäre richtiger fortschritt ;)
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