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ohn
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LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 17:03

Ich stehe mal wieder vor der schweren aufgabe, einen trip in worte zu fassen, dessen charakter die bereiche überschreitet, die mit worten zu beschreiben sind. Ich versuche es trotzdem.

Einige von euch werden mitbekommen haben, dass meine freundin (im weiteren Tripverlauf nenne ich sie S.) in den letzten monaten in die welt der psychedelischen drogen eingetaucht ist, nach dem ich ihr jahre lang nur hin und wieder davon erzählte. Da sie eine komplizierte familiengeschichte hat - voll von traumatischen erlebnismaterial - und tief verwurzelte, unverarbeitete konflikte in sich trägt, begannen wir zunächst vorsichtig und nahmen einige male zusammen 2C-B. Anschließend probierten wir moderate dosierungen LSD, dann eine relativ hohe dosis und nun eine sehr hohe. Ihre trips verliefen stets konfliktfrei und bewegten sich auf der ästhetischen ebene. Euphorische zustände, verstärkung / veränderung der visuellen wahrnemung und abstrakte köprererlebnisse. Insgesamt schien sie weniger intensiv auf die droge zu reagieren als ich und brauchte für ähnliche effekte höhere dosierungen. Sie unterlag der "narrenfreiheit", die unerfahrene, die die ersten male psychedelische drogen konsumieren, oft für sich beanspruchen konnte. Die trips führten einfach noch nicht so tief ins innere.

Kommen wir nun zum eigentlichen trip. Wir starteten am späten sonntag nachmittag - ihrem geburtstag. Wir gaben die extrem starken tropfen jeweils in ein glas sekt. Wir tranken beide etwa die hälfte. Da es gerade dunkel wurde, beschlossen wir noch schnell einen kleinen spaziergang bei dämmerung durch den nahe gelegenden wald zu machen, da S. im dunkeln nicht in den wald gehen mochte. Wir verschätzten uns jedoch ein wenig, als wir bei dem wald ankamen, war es schon fast ganz dunkel. Wir hatten eine kleine provisorische papierlaterne mit einem teelicht darin gebastelt und mit genommen. Im wald angekommen zündeten wir das teelicht an, es ging jedoch des öfteren wieder aus, was jedes mal mit einer komplizierten anmach-aktion verbunden war. Dabei merkte ich auch, dass ich bereits sehr drauf war. Etwa 20 minuten nach einnahme. Meine beine waren weich, S. ging es genau so. Wir schlenderten weiter am wald entlang bis S. mir sagte, dass sie sich dort nicht wohl fühlt und sie wieder nach hause wollte.

Das war mir recht, inzwischen wurde die wirkung stetig sehr schnell sehr viel stärker. Ich war erschöpft, der rückweg fühlte sich an, als würden wir durch schlick laufen und kaum vorran kommen (und wir hatten unsere golfschuhe vergessen.... ;) ). Irgendwann kamen wir aber doch zuhause an. Etwa eine stunde war seit der einnahme vergangen, als ich merkte wie sich innerhalb weniger minuten heftigste halluzinationen an der decke bildeten. Wie ein dreidimensonaler stuck verformte und verwirbelte sich eine verzierung an der zimmerdecke, die sich in einer enormen geschwindigkeit ausbreitete und veränderte . Der ganze raum war nun in wallung geraten. Während bei niedrigen dosierungen die optischen veränderungen immer intensiver werden, wenn man lange auf einen fleck starrt, sprangen mir die vermorphungen nun förmlich ins gesicht und drängten sich regelrecht auf. Wir verbrachten einige zeit damit milkdrop 2 anzuschauen (psychedelisches musik visualisierngs programm). Es wurde immer krasser. Zu krass für die tripphase.

Ich merkte, wie das LSD immer tiefere, primitivere gefühle aus mir heraus holte. S. hingegen war noch völlig gefasst und verspürte nur eine schwache wirkung. Also trank sie auch noch die andere hälfte vom LSD. Ein fehler, wie sich später heraus stellte.

Die bilder auf dem pc monitor begannen sich auszubreiten. Ich saß auf meinem bett und konnte es nicht fassen, was mir da aus dem bildschirm entgegen geschleudert wurde. Ein riesiger wulzt von gefühlen, formen, farben, bildern, stimmungen prasselte auf mich ein. Inzwischen hatte das psychedelische feuer, was aus dem bildschirm heraus loderte, das halbe zimmer eingenommen.

Ich realisierte, das dieser noch in den kinderschuhen steckende trip eine herausforderung werden würde. In anbetracht dessen, dass S. gerade nachgelegt hatte, entwickelte sich in mir das gefühl, die kontrolle behalten zu müssen, um ihr beistehen zu können, damit ich noch irgendwas machen konnte, sollte es ihr schlecht gehen. Nun befand ich mich aber selbst an der schwelle dazu, dass der trip ein kampf werden würde. Ich musste es zulassen. Das wusste ich ganz genau. Mein verstand funktionierte perfekt und ich konnte das ganze ausmaß der dramatik völlig bewusst erleben, ohne es ändern zu können. Ich fragte mich, wieso ich jahrelang etliche bücher über den LSD einsatz in der psychotherapie beschäftigt hatte, wenn ich jetzt nach unzähligen LSD trips so eine simple LSD krise nicht durchleben, voll zulassen und positiv bewältigen konnte.

Der grund war das unterschwellige bedürfnis S. bei ihrem sich langsamer entfaltenden trip begleiten zu können. Und noch ein faktor stand im raum. Ich hatte das primitive gefühl, als müsste ich in anbetracht meiner langjährigen LSD erfahrungen vor S. die kontrolle bewahren können, sonst würde sie mich für schwach halten. Rational war dieses gefühl nicht zu begründen, wir führen keine solche beziehung, in der so etwas nötig sein würde. Wir kennen unsere schwachen seiten, unsere abgründe und komplexe.

Ich schaute S. an - inzwischen war sie völlig geometrisiert, hatte überall schnörkel und eckige muster - , sagte ihr, dass mir der bildschirmschoner zu anstrengend wurde und dass ich sie jetzt als haltepunkt brauchte. Wir lagen auf dem bett und sie nahm mich in den arm. Dort konnte ich völlig loslassen. Wieder prasselten etliche bilder auf mich ein, bis ich schließlich merkte, dass es mir wieder sehr gut ging. Das drama war durchgestanden.

Euphorie stieg in mir auf. Verwirrt und sehr verplant war ich trotzdem noch. Wir beschlossen "charlie und die Schokoladenfabrik" anzuschauen, ein sehr toller tripfilm übrigens. Unglaublich abstrakt, von der LSD überspitzung bis ins absurde verzerrt. Während dessen wurde die wirkung bei S. anscheinend stärker und stärker, was ich gar nicht so realisierte, da ich nicht dran dachte, dass sie ja noch nachgelegt hatte. Sie wurde stiller. Ich interpretierte das als runterkomm-introvertiertheit. Auch ich bin beim runterkommen von LSD trips oft sehr still und rede kaum noch. Also dachte ich, das beste wäre, sie in ruhe zu lassen.

Inzwischen war der film zu ende,wir schauten anschließend "sunshine" und ich kam langsam vom trip herunter. S. erlebte zu dieser zeit erst ihren peek. Sie war immer noch sehr still, konnte jedoch beim besten willen nicht in worte fassen, was sie innerlich fast zerriss. Als wir das licht und den film ausmachten, begann sie sich an mich zu klammern und begann endlich wieder zu sprechen. Sie sagte mir, dass es ihr schlecht geht. Sie erlebte sich als einen absolut schlechten, aroganten, egozentrischen menschen. Sie erlebte sich als unfassbar naiv, LSD auf die leichte schulter genommen zu haben. Ihre persönlichkeit, ihr leben erschien ihr als gigantische, völlig kaputte mauer, die von grund auf saniert werden muss.

Dies würde aber niemals möglich sein, weil viel zu viel kaputt ist. Sie tauchte in ein strudel aus negativen COEX-Systemen ein, bekam vom LSD alle möglichen situationen vor augen geführt, für die sie jetzt schuld und egoismus empfand. Sie versuchte mir das alles zu erklären, ich versuchte sie dazu zu ermutigen loszulassen, das erlebnis anzunehmen, ruhig zu bleiben und sich nicht reinzusteigern. Ich betonte das den charakter eines spiels, den LSD-erlebnisse haben und ermutigte sie aufzugeben, weil sie nicht gewinnen kann.

In den augenblicken, in denen wir miteinander redeten, in denen ich ihr mut zusprach und ihr sagte, dass sie für viele menschen sehr wichtig ist und sie im moment nur in völlig überspitzter, ironischer zynischer LSD form die negativen facetten ihrer persönlichkeit erlebt, ging es ihr etwas besser. Ich sagte ihr, dass alles was sie sieht, total übertrieben und vom LSD entstellt ist, um sie auf die fehler hinzuweisen.

Dann kamen aber immer wieder wellen, die sie fort rissen. Sie wurde hin und her gezerrt, methaphorisch gesprochen mit ihrem gesicht die eigene scheiße gedrückt. Nun begann die angst vor dem verrückt werden hinzu zu kommen. Sie weinte und wimmerte, es tat mir in der seele weh. Einerseids wusste ich, dass sie sich dem vollen ausmaß ihres LSD erlebnisses stellen musste, um es aufzulösen. Andererseits sah ich sie, wie sie völlig verzweifelt um ihren verstand kämpfte und wimmerte, dass sie doch nur will, dass "Es sie wieder gehen lässt". Weinend rief sie demonstativ, dass sie aufgeben würde, dass sie LSD unterschätzt hat und das sie eingesehen hätte, was sie alles für schlechte seiten in sich trägt. Sie hatte befand sich in ihrer persönlichen hölle und wollte nur noch nach hause. Alles war ihr fremd geworden und sie steigerte sich in das gefühl rein, nicht mehr zurück zu kommen. Ich sprach ihr mut zu, betonte das dieses tiefe angstgefühl immer schwächer werden würde. Dass sie in einigen stunden runter kommt. Dass sie geduld haben muss. Alles half nichts.

Sie suchte den schlüssel zurück. Keiner passte. Es war ein teufelskreis. Ich konnte ihr nicht mehr zumuten, sie zu ermutigen, die augen zu schließen, den focus nach innen zu richten und bis zur kernerfahrung des negativen coex-sxstems vorzudringen, um den teufelskreis zu beenden. Auf diesem trip nicht mehr, dazu war sie zu erschüttert. Ich musste sie abkenken, und wir schauten ihren lieblingsfilm, den sie als schlüssel zurück betrachtete. Ich sagte ihr, dass alles für sie der schlüssel zurück sein kann, schon eine staubflocke auf den bett kann in der richtigen situation zur richtigen zeit der schlüssel sein. Der stein der weisen. Der schlüssel für die auflösung ihres LSD-Rätsels
Inzwischen war auch ich unsicher geworden. Ich war zwar schon am runterkommen, doch immer noch lange nicht nüchtern. Ich hatte angst um sie. Natürlich merkte sie das und wurde dann auch wieder unsicherer.

Phasen von beruhigung wechselten sich ab mit phasen der reinen panik. Und das gute 7-8 stunden nach einnahme. Ich durfte auf keinen fall ausstrahlen, dass es mich auch verunsichert, dass sie in dieser tripphase noch so heftige wirkungen verspürt. Bei einer derartigen dosis ist es jedoch auch eigentlich auch normal. Dennoch: ich hatte schuldgefühle und angst um meine freundin. Ich würde es mir nie verzeihen können, wenn sie schaden an dem erlebnis nehmen würde. Ich hatte sie in ihre persönliche hölle geführt. Und ich war nun für sie der einzige weg wieder zurück. Sie musste sich auf mich verlassen können. Und das über stunden. Das kostete einige energie, aber ich wollte für sie da sein.

Die nächsten stunden verbrachten wir fast ausschließlich zusammen, wir hielten die meiste zeit über engen körperkontakt, ich kam mit wenn sie pinkeln musste, wir duschten gemeinsam, sie konnte nicht allein sein. Und ich wollte ihr aus diesem erlebnis raushelfen. Sehr langsam kam sie wieder runter, die angst verrückt zu werden wurde wurde wieder schwächer. Wir redeten viel, es tat ihr gut mir alles zu erzählen, was sie zuvor nicht ausdrücken konnte. Innerlich hatte sie mehrere romane geschrieben und filme gedreht über die gefühle, bilder und situationen, die sie durchlebte. Das hätte sie fast zum platzen gebracht. Wenn sie nicht angefangen hätte, mir davon zu erzählen, wäre sie daran zerbrochen, sagt sie. Der trip klang dann nach 12-15 stunden langsam wieder aus und am nächsten abend konnten wir endlich völlig erschöpft schlafen.

Im nachhinein danke ich gott, falls es einen gibt, für zwei dinge: erstens, dass unser tripverlauf zeitlich so verschieden war. 2-3 stunden früher hätte ich warscheinlich nicht in der form unterstützung leisten, wie S. sie brauchte. Zweitens, dass ich nicht noch die andere hälfte des LSD getrunken hatte, als wir aus dem wald wieder kamen. In beiden fällen wäre das ganze wohl noch wesentlich schwieriger geworden, als es eh schon war.

Von der eigentlichen psychedelischen erfahrung her, war es für mich ein zwar starker, extrem visueller und in der anfangsphase für etwa 1 stunde schwieriger trip. Für S. war es jedoch das schlimmste erlebnis ihres lebens, welches sie stark erschüttert hat. Jetzt, zwei tage später ist sie immer noch recht still und fühlt sich leer. Ich möchte ihr so gerne helfen. Ich fühle mich schuldig, obwohl ich weiß, dass jeder durch seine persönliche hölle selbst gehen muss. Ich bin unsicher, ob ich ihr in der situation auf noch bessere weise hätte helfen können.

Sie wird wohl nie wieder LSD nehmen. Sie wird beginnen die riesige mauer zu tapezieren. Da bin ich mir sicher. Ich hoffe sehr, dass sie das erlebnis in etwas umwandeln kann, was sie im nachhinein als etwas positives sehen kann, weil es der startschuss zu einer veränderung war.
Ich weiß, dass es zur LSD erfahrung dazu gehört, auf völlig überspitzte, bösartig sarkastische weise auf die dunkelsten facetten seiner persönlichkeit zu stoßen. Ich habe das ja selbst alles erfahren in all den jahren. Trotzdem tut es mir so unendlich leid, dass es für sie so schockierend bösartig, teuflich dämonisch war. Es tat unfassbar weh, die frau meines lebens in dem emotional bösartigsten, verängstigsten LSD-zustandes ihres lebens zu sehen.

Wir werden in naher zukunft zusammen ziehen und eine kleine familie sein (sie, ich und ihre katze ;-) ). Ich versuchen sie dabei zu unterstützen, die mauer zu sanieren.

Ich würde mich freuen, eure meinung zu dem ganzen zu hören.
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Mao
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 18:49

Erstmal :knuddel: und alles Beste euch beiden für die nächste Zeit.

Hoffentlich schiebt sich diese Erfahrung nicht zwischen eure Beziehung. Jede Krise ist eine Chance. Vielleicht könnt ihr ja die nächste Zeit gemeinsam nutzen, um ein Verständnis für das, was mit ihr passiert ist, zu entwickeln.
ohn hat geschrieben:Sie wird wohl nie wieder LSD nehmen. Sie wird beginnen die riesige mauer zu tapezieren. Da bin ich mir sicher.
Eine Mauer, um das Erlebnis mit all seinen Folgen, oder eine Mauer um sich selbst ?

Falls sie noch einmal LSD nehmen wird, muss sie sich darauf einstellen, dass der Trip sie wieder an die selben Orte zurückführt. Ein Durchbruch ist nur mit einem psychedelischen Grenzerlebnis in sehr hoher Dosis möglich - Tod und Wiedergeburt. Ob sie das will oder nicht muss sie natürlich selbst wissen.

Ihr habt auf jeden Fall eine außergewöhnliche Situation durchgestanden und seid um eine Erfahrung reicher. :)


Viel Glück!


mao
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 19:32

beim lesen des ersten Absatzes werd ich das Gefühl nicht los, dass Du sie viel zu schnell in die Welt der Psychedelika eingeführt hast oder sie auf diesem Weg nicht gebremst hast (weil sie sich an Hardhead-Ohn-San orientiert hat?), wieviel Trips/2c-b Sessions waren das denn bloss?

Andererseits kommen -gerade bei Mädchen :D - je nach Vorgeschichte oft so komische Krisen; spätestens bei Schwangerschaft etc.

Ich glaube aber auch, dass Du die Situation nicht besser hättest meistern können, und sie natürlich auch gespürt hat, welchen Halt Du ihr gegeben hast und in Zukunft geben wirst.

Ich würd an Deiner Stelle gut überlegen in der gemeinsamen Wohnung nicht zu trippen/konsumieren und die Zeit mit ihr nüchtern zu verbringen (zumindest bis sie das verdaut hat).

Wünsch Euch alles Gute!
„Hupen Sie, wenn Sie bewaffnet sind!“ (R.A.W)

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Yagé
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 19:49

Ich bin fassungslos, vor Entsetzen, wortlos, vor Bedauern und fasziniert von eurer Stärke,

Es war ein sehr großer Schritt, der jetzt, nachdem die Hauptwirkung abgeklungen ist, erst den Weg in einen neuen Lebensabschnitt öffnet. Ob sie sich diesem Weg stellt und irgendwann den Nutzen dieser Erfahrung entdeckt oder ob sie, wie du so schön sagst, eine Mauer aufziehen und tapezieren wird, obliegt zu guter Letzt ihrer Entscheidung. Aber wie ich dich kenne, wirst du sie in jedem Fall unterstützen.

Ja, es tut weh das mit anzusehen. Aus unseren persönlichen Gesprächen kennst du meine Meinung dazu. Es bleibt nicht aus, seinem Schatten und seinen Dämonen zu begegnen und es bleibt ebenfalls nicht erspart, den Schrecken und die Urangst zu spüren, welche die eigentliche Veränderung überhaupt erst ermöglicht.

Aber das Dunkel gehört zur Persönlichkeit dazu. Und wenn man sich aus dem verwobenen System seiner Erfahrungen lösen und Klarheit in seinen Sein-zustand bringen möchte, wird man zwangsläufig die dunklen Pfade seiner Vergangenheit passieren müssen. Das ist in den meisten Fällen schwierig und unangenehm. Aber leider notwendig.

Bleibe bei ihr, sei für sie da, vermittle ihr das Gefühl von Nähe und Geborgenheit. Ich denke, du kannst kaum mehr tun...

Ich wünsche euch beiden jedenfalls alles erdenklich Gute. Auf das sie bald alles überstanden hat.
Die Realität ist Spiegelbild der Seele; wird nun das Innere verzerrt, so verschieben sich auch die Wesenszüge der Wirklichkeit.

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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 20:06

Mal ein paar Gedanken von mir:
Ist natürlich übel das der Trip so verlief. Normalerweise lässt so ein Terror ja nach ner Weile nach und die Qualität des Trips wandelt sich gegen Ende hin. Ich vermute mal das deine Freundin aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit mit LSD den "roten faden" nicht finden konnte und die ganze Dauer des Trips in diesem üblen zustand steckenblieb.
Ich hatte auch mal auf einer Party einen Trip der so ähnlich losging (inklusive Angst vor dem Verrücktwerden und emotionalem Abfuck), zwischenzeitlich hat mich ein wildfremder Mensch an der Hand gehalten damit ich es halbwegs ertragen konnte. Ich hatte damals das grosse Glück das ich nen MP3-Player mit meiner Lieblings psychedelischen Musik dabei hatte, und mir nach einer Stunde des Schreckens die Idee kam diese Musik zu hören. Von der intensiven Musik wurde der Trip noch stärker, aber das negative wandelte sich nach wenigen Minuten komplett, ich konnte in der Erfahrung "aufgehen", was ihr ihren Schrecken nahm. Ich lernte meine persönliche Hölle und Boshaftigkeit zu akzeptieren. Auf späteren Trips habe ich dann grade diese düsteren introspektiven Phasen sehr genossen. (Da vor allem meine Jugend ziemlich verkorkst war gab es auch reichlich düsteres Material das durchs LSD hochgespült wurde)
Ist natürlich schlecht dass S. zum Zeitpunkt des Trips noch keine richtigen Strategien zum loslassen kannte und das ganze so für sie schlimmer wurde als es hätte sein müssen. (Das ist natürlich jetzt eine Vermutung, und ist wohl rückwirkend auch schwer mit 100%er Sicherheit zu sagen)
So zum Schluss noch etwas bezüglich der Verarbeitung der ganzen Sache:
Nach anstrengenden Trips hatte ich oft auch lange gedanklich dran zu knabbern. Nach einer Weile merkte ich aber auch immer das dieses intensive Nachdenken wenig brachte. Das einzige was (zumindest bei mir) half, war die Emotionen die der Trip aufgewirbelt hatte rauszulassen. Am meisten hat mir dabei immer gute Musik (vor allem solche ohne Gesang, also eben rein instrumentale oder elektronische), Tanzen zu intensiver Musik, Meditation und lange Spaziergänge in der Natur geholfen.

So, das wärs fürs erste, eventuell schreibe ich in paar Tagen noch was dazu. Ansonsten wünsche ich deiner Freundin noch viel Kraft und Aufmerksamkeit um mit ihrer dunklen Seite Leben zu können.
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 20:14

Mir läufts kalt den Rücken hinunter, wenn ich das lese.
Hatte ein sehr ähnliches Erlebniss mit einem alten Schulfreund. Und zwar gleich bei seinem ersten Trip :(
Aber du konntest zum Glück sehr gut den Kontakt halten und vorallem das Vertrauen. Ich musste leider auch feststellen, dass man als HobbyGrof schnell überfordert sein kann. Es ist auch eine riesen Verantwortung die man sich fälschlicherweise aufbürdet. Mich hat die Hilflosigkeit fast zerrissen. Man kann gar nicht anders als tief mitzuleiden.

Er hat dann auch eine Mauer gebaut, um sich zu schützen. Die einzige Möglichkeit war eine Psychotherapeutin. Mit Hypnose konnte er das Vergangene Revue passieren lassen und mit ihrer Hilfe verarbeiten.

Ich wünsche ihr alles Gute! :umarm:
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Dr.Schuh
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 20:15

Hi ohn.

Puuh.... Heftig. Wohl für euch beide und jeden für sich. Gewiss werdet ihr wohl beide sehr viel daraus lernen können. Sowohl über euch beide, als auch jeder über sich. :) Aber es wird wohl ne relative Weile dauern, bis ihr, vorallem S., dieses tiefgründige Erlebnis verdaut habt..
ohn hat geschrieben: Ich hatte sie in ihre persönliche hölle geführt. Und ich war nun für sie der einzige weg wieder zurück.
Sie musste sich auf mich verlassen können. Und das über stunden. Das kostete einige energie, aber ich wollte für sie da sein.
Du hast sie nicht in ihre persönliche Hölle geführt. Sie ist eigenständig und erwachsen, und sie allein trägt alle Verantwortung für sich. Das Beistehen ist die wirkende Liebe, die euch offenbar verbindet. Aber du trägst keine Verantwortung für sie. :) Sie entwickelt sich als Mensch, und das kann nur sie selbst tun.
Ich möchte ihr so gerne helfen. Ich fühle mich schuldig, obwohl ich weiß, dass jeder durch seine persönliche hölle selbst gehen muss. Ich bin unsicher, ob ich ihr in der situation auf noch bessere weise hätte helfen können.
Alles Unfug, den dein Über-Ich in diesen Momenten ausheckt. Du kannst dir sicher sein, dass du besten Willens und nach allem, was gut und recht ist, alles getan hast, was in deiner Macht steht, ihr soweit möglich zu helfen; und standest ihr bei ihrer Erfahrung zur Seite. Es ist genau richtig so.
Sie wird wohl nie wieder LSD nehmen. Sie wird beginnen die riesige mauer zu tapezieren. Da bin ich mir sicher. Ich hoffe sehr, dass sie das erlebnis in etwas umwandeln kann, was sie im nachhinein als etwas positives sehen kann, weil es der startschuss zu einer veränderung war.
Da bin ich mir sicher. Vorallem beim letzten Punkt. Eigentlich ausschließlich beim letzten.. ;)

Ich wünsche euch von Herzen, dass es nicht allzu lange dauert, bis ihr euch zu der Erfahrung gratulieren könnt. :knuddel:

Lieben Gruß
Schuh
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 20:36

Hallo,

Krampfhaft gegen unangenehme Triperfahrungen anzukämpfen, macht meistens alles nur noch schlimmer. Wie hier schon gesagt wurde, ist nichts besser für das persönliche Wohlbefinden, als sich den Erfahrungen zu stellen und sie zu verarbeiten. Was anfangs als persönliche Hölle beginnt, wird mit der Zeit zu einem bereichernden Geschenk.

Was die Angst vor dem Wahnsinn angeht, so kann ich dazu nur sagen: Der Wahn ist nicht das Problem, sondern die Lösung! Wie ein wichtiger Mensch einst sagte: "Die Vernunft ist Kopie, der Wahn Original". Während eines Trips bewusst die weite Ebene des Wahns zu durchschreiten, statt auf den engen Pfaden der Vernunft zu wandern, kann unglaublich bereichernd sein. Kreatives Potential von ungeahnter Größe deckt neue Facetten der eigenen Persönlichkeit auf, die bisher im Verborgenen geschlummert haben.

Wie ich bei meinem letzten LSD-Trip erfahren habe, ist die generelle Annahme, dass die letzte Phase des Trips sich auf eine lange Zeit nach dem Trip auswirkt, ein Irrglaube. Eine selbsterfüllende Prophezeiung sozusagen. Man muss sich einfach nur anders entscheiden, und es wird anders. Ganz konstruktivistisch. Es klingt zu einfach, um wahr zu sein, aber es funktioniert. @Ohn: Entscheidet euch doch einfach dafür, dass die Erlebnisse einen positiven Charakter haben. Das ist Magie im eigentlichen Sinne.

Morbide Grüße aus dem schattigen Diesseits,
Rhifae

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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 20:57

Wirklich keine schöne Sacheund ich wünsch euch alles Gute beim Verarbeiten. Vielleicht dauert es einige Zeit, aber evtl. kann auch diese negative Erfahrung am Ende hilfreich sein. Ansonsten schließe ich mich Schuh an.

Mir ist aufgefallen, dass für mich das Setting allerdings auch nicht optimal gewesen wäre. Gerade wenn man Psychedelika noch nicht gewöhnt ist noch nen Waldspaziergang zu machen und sich dann noch vor Eintreten des Afterglow nen Film anschauen bei ner hohen Dosis, wären für mich nicht die besten Vorraussetzungen. Da mag ich es doch ruhiger lieber, gerade wenn die zu erwartene Wirkung stark sein wird. Nun denn, ich wünsche euch das Beste bei der nachträglichen Verarbeitung.
"Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, so erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich. Denn der Mensch hat sich selbst eingesperrt, so dass er alle Dinge nur durch die engen Ritzen seiner Höhle sieht.“
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 21:49

Erstmal dankeschön für die ermunternden kommentare :)
Ich werde später noch etwas dazu schreiben, sie vielleicht auch.
Eine Mauer, um das Erlebnis mit all seinen Folgen, oder eine Mauer um sich selbst ?
Nichts von beiden, die kaputte, heruntergekommende mauer war ihr sinnbild für ihre unfertige, fehlerhafte persönlichkeitsstruktur. Ihr leben und ihre persönlichkeit erschienen ihr metaphorisch als mauer. Mit "Sie wird die mauer mit der zeit sanieren" meine ich, dass ich hoffe, dass sie die facetten ihrer persönlichkeit, die sie auf ihrem trip als negativ erfahren hat, positiv verändern kann. Dass sie also etwas davon hat, dass LSD ihr gezeigt hat, was für konflikte in ihr sind. Und sie nicht alles wieder vergisst oder noch schlimmer ihr leben nur noch depressiv sieht.
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 21:57

Rhifae hat geschrieben:Der Wahn ist nicht das Problem, sondern die Lösung!
Dr.Schuh hat geschrieben:Gewiss werdet ihr wohl beide sehr viel daraus lernen können.
Wie der Titel andeutet, war der Kern des Trips wohl die Angst vor dem Wahn.
Der Kern des Wahns ist wiederum die Angst. Ich denke auf lange Sicht kann man um so selbstbewußter ins Leben gehen,
je größer die Angst der man sich gestellt hat.
Vergangener Wahn wird - genau wie vergangener Schmerz - mit der Zeit zu einem Schatten. Und auch der verblasst immer mehr.
Die gewonnene Freiheit hingegen bleibt :).

In diesem Sinne auch von mir alles Gute für euch beide.

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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

3. Nov 2009, 22:08

By the way:
Die bilder auf dem pc monitor begannen sich auszubreiten. Ich saß auf meinem bett und konnte es nicht fassen, was mir da aus dem bildschirm entgegen geschleudert wurde. Ein riesiger wulzt von gefühlen, formen, farben, bildern, stimmungen prasselte auf mich ein. Inzwischen hatte das psychedelische feuer, was aus dem bildschirm heraus loderte, das halbe zimmer eingenommen.
Phantastico! :lol: Wunderbar beschrieben. Kennich. scnr

Gruß
Schuh
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

4. Nov 2009, 00:08

:( ... tatsächlich kann ich eigentlich kaum mehr dazu sagen, als _W_O_R_D_ & :ack: @Schuh ... und zwar bezüglich beider seiner Posts hier im Fred :verwirrt: fast schon gruuuslig

Finde es auch sehr gelungen, wie du es geschafft hast, derartiges in Worte zu packen.

Bin mir sicher, dass sich bald wieder einiges einpendeln wird und kann mir kaum vorstellen, dass S. eine bessere Begleitung während dem Erleben selbst sowie jetzt, der Zeit danach, [hätte haben können]/[haben könnte], als dich, ohn. Ich freue mich darauf von Euch zu hören, wie es weitergehen wird :)
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

4. Nov 2009, 07:10

Heavy Stuff. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ihr das zum Guten werdet lösen können. Kann mich auch sonst an meine Vorredner anschliessen.
Phönix hat geschrieben: Mir ist aufgefallen, dass für mich das Setting allerdings auch nicht optimal gewesen wäre. Gerade wenn man Psychedelika noch nicht gewöhnt ist noch nen Waldspaziergang zu machen und sich dann noch vor Eintreten des Afterglow nen Film anschauen bei ner hohen Dosis, wären für mich nicht die besten Vorraussetzungen. Da mag ich es doch ruhiger lieber, gerade wenn die zu erwartene Wirkung stark sein wird. Nun denn, ich wünsche euch das Beste bei der nachträglichen Verarbeitung.
Diesen Eindruck teile ich auch. Meine erste LSD-Erfahrung ist vorallem deswegen sehr anstrengend gewesen, weil meine Mitreisenden unbedingt diesen Film (Pulp Fiction) schauen wollten und mir das viele Geballer, die ganzen Toten und das Gangster-Gesabbel auf dem Weg zur ersten Auflösung echt ungemein auf den Keks gingen. ;)
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Re: LSD - Die Angst vor dem Wahnsinn

4. Nov 2009, 11:33

Ich glaube das ganze muß erstmal verarbeitet werden, was bekanntlich auch Zeit braucht. Vielleicht hilft es nochmal darüber zu sprechen und den Trip etwas aufzuarbeiten. Aber das macht bekanntlich jeder anders und nicht jeder will bekanntlich über solche Erfahrungen sprechen.

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