CreepyInPink
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Angst vor Wut

29. Apr 2016, 12:49

Haaloo da Draußen,

ich hoffe ich kann mich einigermaßen verständlichich ausdrücken. Das ist ein sehr kompliziertes Thema für mich.
Es geht im Großen und Ganzen darum immer das Vewrhalten anderer zu rechtfertigen und über sein "SELF" zu stellen.
Also immer mehr Verständnis für andere zu haben als für sich und sich im Endeffekt zu unterdrücken. Immer die Schuld bei sich zu suchen und auch zu finden.

Ich stehe gerade irgendwie auf Messers Schneide.
Ich bin zwischen zwei verkrigten Elternteilen aufgewachsen, die gegenseitig versucht haben Ihre Kinder auf Ihre Seite zu ziehen. Zudem war das ein in altem Stil slavischer Haushalt, der auf Leistung und nicht auf Emotionalität basiert hat.
Und ich glaube mein gnazes Lebenschaos basiert auf dieser Erfahrung.

Ich weiss nicht ob Ihr irgendwas damit anfangen könnt, aber nach ziemlich vielen gescheiterten Beziehungen und Misserfolgserlebnissen, jahrelangen Depresssionen und sozialen Ängsten hatte ich eine Phase der "Selbsterkenntnis"? Sozusagen, dass all mein Leiden selbst zugefügt ist, falls das irgendwie verständlich ist.
Dass quasi jede Nachfrage im Universum ihr Angebot findet. Dass Ein submissiver Charakter immer einen Dominanten an sich zieht. Dass z.B: eine Frau die sich schlagen lässt, mit ihrem Charakter die schläge zulässt. Oder dass z.B jemand der gemobbt wird, tief in sich drin gar nicht der Ansicht ist, dass er es Wert ist anders behandelt zu werden. Ich weiss das hört sich krass an weil in unserer Gesellschaf t derjenige der zuerst Gewalt ausübt der "Schuldige" ist. Und ich weiss nicht ob das in aller Konsequenz sogar die richtige Sichtweise ist. Wie gesagt ich stehe auf Messers Schneide.

In meinem Fall ist es halt, dass ich immer versuche Harmonie aufrechtzuerhalten, selbst wenn ich merke meine Rechte werden gerade drastisch überschritten. Ich versuche an allen Situationen meinen Schuldgehalt zu sehen und mich für alles zu entschuldigen. Selbst wenn die Erfahrung gezeigt hat, dass das Gegenüber immer nur sein eigenes Verhalten rechtfertigt. Ich bin innerlich wütend suche aber nach außen eine Lösung und zeige meine Wut nicht.
Nun könnte man das auch so sehen dass mein Harmoniebdürfnis eben sienen Preis hat. Und wäre ich nicht so verzweifelt nach Harmonie, hätte ich all die Probleme nicht....Nur diesen Zustand kann ich mir kaum vorstellen. Ist jemand der seiner Wut und Unmut freien lauf lässt im Endeffekt der Harmonie näher? Ich meine Wut lässt allerlei negative Vibrations im Raum.

Hier mal zwei Beispiele:

In meiner WG brauchten wir einen neuen Boiler. Die Vermieterin hat sich für ein Modell entschieden und der Sanitärtyp der dann in unserer Wohnung war beschwert sich bei mir, was für ein Billigmodell die Vermieterin ausgesucht hat. Sowas passiert mir echt IMMER, Ich meine was kann ich denn dann dafür und wäre sein Unmut nicht besser bei der Vermieterin aufgehoben?, Selbst wenn ich wollte könnte ich zu dem Thema nix konstruktives beitragen. Das meine ich auch weiter unter mit X und Y. Sollte ich sowas dann sofort sagen? Wie geht man mit sowas um? (Ich weiss das ist nur ein einmalbeispiel, einfach gehen lassen und weitermachen mit seinem leben)
Aber sowas passiert mir echt immer und immerwieder. Ich habe eine Nachbarin, die super ausländerfeindlich ist und die es sich mit allen anderen nachbarn verscherzt hat. Sie versucht dann immer bei mir abzulästern. Und ich habe ihr schon 3 mal gesagt, ich hätte keine ahnung was zwischen ihr und den anderen nachbarn laufen würde und sie solle dann bitte mit ihnen und nicht mit mir darüber reden. Und dass ich keinen stunk wollte.Darauf sagt sie dann immer: Nein. mit der und der rede ich nicht und macht einfach weiter und weil wir hier in einem verband von Hauseigentümern wohnen kommt dann noch dazu ich sollte bitte in der eigentümerversamlung für ihre bedürfnisse stimmen, obwohl ich schgon öfters gesagt habe dass ich kein eEigentümer sei. Müsste ich da echt schreien und wütend sein, damit es mal ankommt? Oder nur wütend sein und nicht schreien?

Mir schwant langsam, dass das eine Art persönliche Herausforderung (bzw persönliches Karma) ist, dass mir solange Anhaftet bis irgendwas passiert (von dem ich aber noch nicht weiss was es ist) bis ich es überwunden habe.
Gerade das mit meiner Nachbarin. Weil es von anfang an 2 Nachbarinnen waren die sich gegenseitig bei mit über die andere abfucken (als ich neu eingezogen war) Gibt mir das gefühl wieder 3 zu sein und sich zwischen Eltern entscheiden zu müssen.

Dazu kommt, dass ich in allen Beziehungen bisher immer "Dichthalte". Das bedeutet, dass ich irgendwie so eine krasse Loyalität zu meiner Beziehung habe(egal ob Freundschaftlich oder Intim), dass ich mit niemandem darüber rede wenn ich fühle dass irgendwas falsch läuft. Nicht weil ich denke ich will loyal sein sondern ich denke dann irgendwie mathematisch. Dass wenn man mit X ein Problem hat, dann sollte man auch mit X darüber reden und nicht mit Y.
Das hat bishrer nur zu Ärger geführt,obwohl das für mich irgendwie logisch ist.Und ich habe auch so aus Beobachtung geshen, dass andere Leute sich bei anderen auslassen wenn es zwischen ihnen Ärger gibt, obwohl ich den Sinn davon irgendwie kaum verstehen kann.

Also hier nochmal als Frage an euch alle. Wie geht man mit Ärger in Zwischenmenschlichen Beziehungen um. Ich weiss ich bin nicht der Dalai Lama, aber irgendwie hat es für mich eine Zeitlang Sinn gemacht, dass man Gewalt lieber mit Rückzug beantwortet und mit dem Seinlassen, als mit Wut und Gegengewalt. Nach dem Motto: Verlasse diese Ufer und such anderes Land. Nur muss man dann nicht jedes mal zurücklassen was man liebt, sobald es unharmonisch wird?
Oder ist es gesünder und fortschrittrlicher für siene Beziehungen und sich selber Wut auszudrücken, wenn sie da ist (ohne sich innerlich dafür schlecht zu fühlen...)? Darf man mit Freunden und anderen über die Makel und Grenzüberschreitungen seiner anderen Beziehungen reden, obwohl das im endeffekt nichts löst? Oder löst es was nur ich sehe es nicht? Irgendwie würde ich mich dann nur schlecht fühlen, nicht gut über jemand zu reden der mir nah ist.

Oder seid ihr der Meinung meine Ideale und Selbsterkenntnise sind nur ein Ausdruck von falschverstandener Liebe? Und ist das für sich selbst Einstehen vielleicht gar nicht aggressiv? Weil für mich bedeutet für sich selbst einstehen gleichzeitig gegen jemand anders zu sein, der etwas anderes denkt oder will..

Na ja....falls ihr Fragen habt bitte an mich. sorry wenn das was durcheinander war

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hobobird
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Re: Angst vor Wut

29. Apr 2016, 14:24

hey creepyinpink,

ich kenne das wovon du sprichst.
wenn du meinst es haftet dir solange an bis "irgendwas" passiert, denke ich eher es wird dir immer wieder passieren bis du es selbst in die hand nimmst. du hast schon erkannt, dass sich was ändern muss und weisst wohl auch was, aber verschwende keine zeit damit dein handeln aufzuschieben indem du auf diesen "einen moment" wartest.
das erinnert mich an eine bekannte. sie hat sich wissend ein falsches tattoo stechen lassen. es war arabische schrift und der tätowierer hat da irgendwas falsch gemacht. sie hat das schon vor dem stechen gesehen, hat aber nichts gesagt. vllt steckt(e) sie in einem ähnlichen dilemma.
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Mawas
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Re: Angst vor Wut

1. Mai 2016, 15:00

Wut ist Angst , der Wut / Agression liegt psychische Angst / Trauer zugrunde , sagt Manuel Schoch ;
seine Youtube Videos finde ich empfehlenswert , bei Gaia Media s Kanal .
Zuletzt geändert von Mawas am 2. Mai 2016, 15:27, insgesamt 1-mal geändert.

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strobo
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Re: Angst vor Wut

1. Mai 2016, 18:52

Hi,

hatte erst einen längeren Absatz getippt... Wieder verworfen, da wahrscheinlich wenig hilfreich.

Mein Rat - versuche mal eine Gesprächstherapie bei einem Psychologen. Probiere es aus. Und bis dahin, versuche Dir Menschen zu suchen, mit denen Du in vertrauter, sicherer Atmosphäre über Deine Probleme sprechen kannst. Ich denke da zuerst an Familie oder Freunde.

Reden hilft!

Aggression - versuch sie zuzulassen und auch raus zulassen.

Beste Wünsche!
“You have to die a few times before you can really live.”
― Charles Bukowski

n19
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Re: Angst vor Wut

2. Mai 2016, 19:31

CreepyInPink hat geschrieben:Nur muss man dann nicht jedes mal zurücklassen was man liebt, sobald es unharmonisch wird?
ja sicher. was denn sonst.
„Hupen Sie, wenn Sie bewaffnet sind!“ (R.A.W)

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Erraphex
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Re: Angst vor Wut

8. Jun 2016, 17:00

Auf jeden Fall der Wut Ausdruck verleihen. Da gibt es ja die Geschichte vom wütenden Yogi, der wirklich non-stop wütend ist. Emotion will bewegt werden. Nein, sie will sich bewegen. Jede unterdrückte Emotion verdichtet sich energetisch im eigenen Energiesystem und wird so im Körper gespeichert. Recht mühsam, sich davon wieder zu lösen. Gar kein Grund sich dafür schlecht zu fühlen.

Der Wut Ausdruck zu verleihen bedeutet nicht, sich in ihr zu verlieren und einen Rachefeldzug zu starten. Wut wahrnehmen, JA, in der Wut den anderen verletzen, NEIN. Also zumindest in die Richtung. Ist ja einfacher gesagt als getan. :)

Wenn Wut in Beziehungen zu anderen hochkommt, dann kann es auch als Chance begriffen werden dieser Wut ein Ventil zu geben - denn die Wut ist schon da, bevor der Trigger für die Wut kommt. Ja, es kann geradezu als heilsam erlebt werden. Wenn wir immer weglaufen, dann gehen wir dem aus dem Weg, was in uns ist und verstecken uns so vor einer möglichen Veränderung.

Denn eines ist imho sicher in Beziehungen. Jedes Thema, dass wir nicht bearbeiten und lösen wird uns mit Sicherheit in der kommenden Beziehung wieder ereilen.
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aneurysma
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Re: Angst vor Wut

17. Jun 2016, 07:28

Das Thema finde ich spannend.
Ich fühle mich auch immer wieder mit dieser Frage konfrontiert - was machen mit der Wut, ausdrücken, zurückziehen, unterdrücken...? Letzteres ist wohl am wenigsten hilfreich, denn nur weil du entscheidest, dass eine Emotion nicht sein darf, ist sie ja nicht aufgehoben, sie bleibt lediglich eingefroren erhalten und wird sich immer wieder unpassend äußern. Zudem verletzt du dich jedes Mal, wenn du dir dein inneres Erleben aberkennst, selbst und schaffst dir damit weitere Probleme. Du verlierst ein Stück Lebendigkeit und Authentizität.
Wut will zunächst einmal anerkannt werden. Adäquat damit umzugehen ist dann die kompliziertere Aufgabe.
Rückzug ist auch eine Reaktion auf Wut, die ich kenne - ich habe das so mitbekommen, da ein Elternteil sehr konfliktscheu ist, aber durch emotionalen Rückzug "bestraft". Sich in der aufgeladenen Beziehung zu entziehen kann IMO auch (passiv) aggressiv sein. Muss es sicherlich nicht - wenn du aus dem Kontakt gehst, um dir Zeit zu geben, in die Nähe zu dir selbst zu gehen und dich mit deinen Emotionen auseinanderzusetzen, ist Rückzug vernünftig und selbstfürsorglich. Ich kenne es aber auch, dass im Rückzug ein subtiles Rache-/Strafbedürfnis mitschwingt (Ignoranz tut oft am meisten weh).

Ich stimme Erraphex zu, was den Ausdruck angeht.
Die Wut lebendig auszudrücken und fließen zu lassen scheint mir unausweichlich, wenn die Wut durch ihre gewohnheitsmäßige Vermeidung/Unterdrückung schon so aufgeladen ist. Da muss erstmal Energie rausgenommen werden, bevor man dazu in der Lage ist, zu erkennen und loszulassen. Ausdruck ohne dabei andere zu verletzen ist natürlich wesentlich, aber dafür braucht es oft Vorarbeit. Das heißt, bevor man jemanden anschreit, wenn möglich erstmal für sich betrachten, was da Thema ist, was die Person/Situation auslöst, und der Wut Raum geben, z.B. durch Schreien, eine Matratze schlagen, auspowern, Worte finden, die man der imaginierten Person sagen will. Nach dieser Läuterung ist es meiner Erfahrung nach einfacher, sich bestimmt, aber viel weniger verstrickt, abzugrenzen. Die aufgestaute Wut ist ja schon gefüttert worden, im Kontakt geht es dann "nur" noch um die konkrete Situation.

Was ich wirklich schädlich finde, ist die Art, auf die manche im Namen der Spiritualität die Wut verteufeln, weil sie sie selbst nicht ertragen können. Da regt sich jemand auf und sie machen "Psssh! Nicht aufregen! Mitgefühl!" - kein Zeichen von moralischer Erhabenheit IMO, sondern gleichfalls von Unfähigkeit, ohne Urteil mit dem was ist zu sein (wenn man an sich selbst beobachtet, dass man die Wut eines anderen nicht aushalten kann, halte ich es für das Beste, es entweder mit Einfühlung zu versuchen, oder die Situation aus Selbstschutz zu verlassen - nicht aber den anderen für seine lebendigen Impulse zu verurteilen).

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