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Sonntagskind
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Re: Finanzkrise

6. Feb 2015, 06:41

Wenn ich raten müsste: Es mag zwar höchste Zeit sein, aber ich befürchte, wir brauchen noch ein paar Runden und noch etwas mehr Elend.
Sehe ich jeden Tag im Kleinen... ich denke: Jetzt, da muss der/die doch in die Pötte kommen, weil...
Aber: Nee.
Noch'n Ründchen.

Menschen sind IMO unglaublich lahm und schwer in Bewegung zu bringen. Dazu ein Gefühl von Nichtverbundenheit und ein "man kann ja doch nichts ausrichten" (fehlendes Gefühl der Selbstwirksamkeit, dazu 'ne Prise Verantwortungsdiffusion), zusammen mit einer hohen Frustrationstoleranz... nja. Allerdings folgt dann gerne mal blinder Aktionismus und Radikalität.
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Re: Finanzkrise

8. Feb 2015, 07:48

In Griechenland war das Elend wohlmöglich gross genug. Ich glaube, da macht man sich hier in Deutschland gar kein rechtes Bild von. In Spanien u.U. sehr bald auch. Ja, in Deutschland ist es noch nicht so weit, da bin ich bei dir, obwohl sich Deutschland doch alle Mühe macht aufzuholen; wie gerade gelesen, hat sich erneut die Einkommensungleichheit drastisch erhöht. Und dabei wurden weder arme Menschen, noch Selbstständige in der Studie betrachtet.

btw. will die griechische Regierung auch an die reichen Griechen ran. Ein großes Programm haben sie sich vorgenommen - die Frage ist, dass wenn in den kommenden Wochen die EZB / Ex-Troika / Deutschland sich auf stur stellen, was geschieht dann? Einsicht bei deutschen Politikern ist so wahrscheinlich, wie der morgige Weltfrieden. Also, was geschieht? Der Rücktritt der Regierung, da das Land dann pleite ist? Oder werden sie dann von sich aus einen Austritt aus dem Euroraum anstreben? Und dann? Ist Griechenland erst aus dem Euro, dann wird das Modell Schule machen. Aber vielleicht auch das eine Chance?

btw. eine gute Seite zum Thema Finanzkrise in Europa und aktueller Entwicklungen in Griechenland ist:

http://www.flassbeck-economics.de/
happiness is the absence of resistance

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Sonntagskind
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Re: Finanzkrise

8. Feb 2015, 18:34

... allein mir fehlt der Glaube.
Wünschen würde ich es. Ihnen wie uns. Sozusagen: Allen.

Interessantes Interview:

Bestseller-Autor Sedlácek: "Wir haben den Markt vergöttlicht"
Ein Interview von Stefan Kaiser

Tomás Sedlácek ist der Außenseiter der Wirtschaftswissenschaft. Der Tscheche zweifelt am Wachstum, an der Perfektion des Marktes und am schuldenfinanzierten Wohlstand. Nebenbei erklärt er, was Angela Merkel mit dem Herrn der Ringe zu tun hat.

Man muss nicht besonders genau hinschauen, um zu merken, dass Tomás Sedlácek ein eher ungewöhnlicher Bankvolkswirt ist. Er trägt Jeans und einen lila Pullover, darüber ein blaues Jackett. Sein rötliches Gesicht ist zu einem guten Teil von einem rötlichen Vollbart verdeckt. Zum Interviewtermin in einem Prager Café fährt der Tscheche mit seinem elektrischen Einrad. Das sei sehr praktisch, sagt er. Er habe aber auch eines zum Treten.

Sedlácek ist 38 Jahre alt - und einer der bekanntesten Intellektuellen des Landes. Mit 24 wurde er Berater des damaligen Präsidenten Vaclav Havel. Sein Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse", das 2009 in Tschechien und 2012 in Deutschland erschien, wurde in vielen Ländern zum Bestseller. Sedlácek erregte damit Aufsehen, weil er mitten in der Finanzkrise viele Fragen aufwarf, die weit über das bisherige Feld der Wirtschaftswissenschaften hinausgingen - und weil er das auf sehr unterhaltsame Art und Weise tat.

Sein neues Buch heißt "Revolution oder Evolution - Das Ende des Kapitalismus?" und ist Anfang Februar auf Deutsch erschienen. Es ist ein Streitgespräch mit David Graeber, dem Mastermind hinter der weltweiten Occupy-Bewegung. Auch hier geht es wieder um Unterhaltsames: Zombies, Werwölfe und Horrorfilme gehören zu Sedláceks liebsten Bezügen. Vor allem aber geht es um den Kapitalismus - und um die Frage, ob dieser noch zu retten ist.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch vergleichen Sie den Kapitalismus mit einem Monopoly-Spiel: Wer die Hotels auf der Schlossallee besitzt, beherrscht die anderen für den Rest des Spiels. Sieht der moderne Kapitalismus wirklich so drastisch aus?

Sedlácek: Das ist ein Beispiel für eine extreme Ausprägung des Kapitalismus. Niemand würde gerne darin leben - außer vielleicht der Gewinner. Das Monopoly-Beispiel zeigt aber etwas anderes: Man startet dabei in einer Art idealtypischen kommunistischen Ausgangssituation, in der jeder gleich viel Geld und die exakt gleichen Chancen hat. Das ist die Logik hinter sehr vielen Spielen: Sie müssen fair starten. Aber oft enden sie in einer Art extremem Kapitalismus. Wir im 21. Jahrhundert mögen keines der beiden Extreme. Wir bevorzugen irgendwas dazwischen. Sobald ein Gewinner feststeht, machen wir deshalb Schluss. Wir gratulieren und starten das Spiel neu.

SPIEGEL ONLINE: In der Realität sind die Gläubigerstaaten die Gewinner und die Schuldenstaaten die Verlierer. Müssen wir auch hier das System neu starten?

Sedlácek: Das ist eine Option. In der Realität ist ein Neustart aber sehr schwierig. Wenn man in die Geschichte schaut, erfährt man, wie solche Probleme früher angegangen wurden. Im Alten Testament gibt es zum Beispiel die Idee des Jubeljahres: Alle 49 Jahre gibt es eine Art Neustart. Die Schulden werden gestrichen, das Land muss zurückgegeben werden. Das ist eine interessante Idee, wenn auch nur eine theoretische. Die Historiker sind sich nicht mal ganz sicher, ob das so je stattgefunden hat.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das dann für uns heute?

Sedlácek: Wir suchen nach einem perfekten System. Aber selbst Computerprogramme - die perfektesten Systeme, die wir je geschaffen haben - stürzen manchmal ab. Das heißt: Selbst wenn die Gesellschaft so perfekt und vorhersehbar gestaltet wäre wie ein Computerprogramm, bräuchte sie ab und an eine Art Neustart. Es gibt kein System, das ewig läuft, nicht mal Apples iOS. Und nebenbei bemerkt: Schon in der Bibel steht, als Gott die Erde erschuf, sagte er nicht, dass es perfekt sei. Er sagte, es sei gut. Und damit sollten wir zufrieden sein.

SPIEGEL ONLINE: Sind wir aber nicht.

Sedlácek: Wir haben dem Markt alles Menschliche entzogen. Wir haben den Markt vergöttlicht und ihm so viel Entscheidungsgewalt zugebilligt wie möglich. Wir glaubten, dass der Gott der Märkte alles zum Guten führe. Aber meine Botschaft ist: Es gibt keinen solchen Gott der Märkte. Und wir sollten diese Märkte wie jede andere menschliche Erfindung betrachten: als unperfekt.

Einerseits ist Tomás Sedlácek ein einfacher Interviewpartner. Er braucht nur ein Stichwort, und schon sprudelt es minutenlang aus ihm heraus. "Das bringt mich noch zu einem anderen Gedanken", ist einer seiner typischen Sätze. Andererseits wirft Sedlácek viele Fragen auf, aber er beantwortet sie nicht gerne. Wenn es konkret wird, weicht er gern aus ins Philosophische. "Ich kenne die technischen Lösungen nicht", sagt er. "Ich analysiere nur die Widersprüchlichkeiten des Systems."

SPIEGEL ONLINE: Braucht die Ökonomie so etwas wie Ethik oder Werte?

Sedlácek: Die Ökonomie hat durchaus Werte. Der Profit zum Beispiel ist ein wichtiger Wert, auch Egoismus, Nutzen, Effizienz oder Freiheit gehören dazu. Das Problem ist: Fast alle unsere Werte sind ökonomisch geprägt. Wir beurteilen alles nach wirtschaftlichen Kriterien. Korruption zum Beispiel galt früher als falsch, weil es einfach Diebstahl war. Heute gilt Korruption immer noch als falsch, aber die Begründung ist eine andere: Korruption behindert das Wirtschaftswachstum.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch kritisieren Sie, dass auch die Freizeit nur noch unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet wird.

Sedlácek: In der Bibel hat Gott einen Tag geruht, nachdem er alles erschaffen hatte. Er wusste: Die Arbeit ist getan. Und das ist auch eins der zehn Gebote: Du sollst ruhen - aber das ist heutzutage das am häufigsten gebrochene Gebot. Das Ausruhen ist zwar noch möglich, aber nur weil wir glauben, dass man danach wieder besser und effizienter arbeiten kann. Früher war die Wirtschaftswissenschaft auf die Ruhezeit ausgerichtet. Die Ökonomen dachten, wenn die Menschen durch den Kapitalismus zu Wohlstand gekommen sind, könnten sie sich ausruhen, tanzen, sich den schönen Künsten widmen, anderen helfen. Heute ist uns diese Idee verloren gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Braucht der Kapitalismus also eine neue Idee?

Sedlácek: Uns fehlt ein Ziel. Die aktuelle Form ist für mich kein Kapitalismus mehr, sondern Wachstumskapitalismus - er braucht Wachstum, um zu überleben. Bei einem Vortrag in Österreich habe ich das mal so erklärt: Es ist wie mit einer Kuh, die immerzu Milch geben soll. Und wenn sie mal keine mehr gibt, wird der Bauer böse und tritt die Kuh und schimpft: "Warum gibst du keine Milch mehr?" Und die Kuh sagt: "Ich habe dir schon so viel Milch gegeben, da stehen zwölf Kannen voll, in einigen wird die Milch schon schlecht. Du weißt gar nicht, wohin mit der ganzen Milch."

SPIEGEL ONLINE: Wie können wir dem Kapitalismus ein neues Ziel geben?

Sedlácek: Es gibt sehr verschiedene Arten des Kapitalismus, welche mit einer Kultur und welche ohne Kultur. Bei der Demokratie haben wir das verstanden. Wir wissen, dass sie stirbt, wenn man sie nicht ständig pflegt, wenn es keine demokratische Kultur gibt. Beim Kapitalismus haben wir das noch nicht verstanden. Aber es gibt mittlerweile einen Wandel. Wenn Sie sich zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum in Davos anschauen, das Mekka des Kapitalismus, dort spricht man mittlerweile über die weichen Themen. Fürsorge, Kultur, Nachhaltigkeit, Werte - das waren vor einigen Jahren noch Schimpfworte.

SPIEGEL ONLINE: Also sind wir auf einem guten Weg?

Sedlácek: Zumindest interessieren sich die Geschäftsleute jetzt auch für solche weichen Themen. Und auf der anderen Seite spricht mit Franziskus ein Papst nicht mehr nur wolkiges Larifari, sondern über ganz praktische Formen der Solidarität. Es gibt einen Dialog zwischen beiden Seiten. Und das ist großartig.

Sedlácek arbeitet offiziell als Chefvolkswirt der tschechischen Bank CSOB, aber er hat so gar nichts von einem Banker. Die meisten Finanzleute, die er treffe, reagierten positiv auf ihn und seine Thesen, sagt er. "Die wissen doch ganz genau, was los ist." Nur manchmal fühlten sie sich angegriffen. Dann sage er ihnen immer: "Ich bin kritisch gegenüber der Wirtschaft, weil ich sie liebe."

Sedlácek kann nicht nur abstrakt denken. Er hat auch ein paar ganz konkrete Ideen, mit denen er vom "Schuldenwohlstand" wegkommen will.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind ein Außenseiter in der Wirtschaftswissenschaft. Wie gehen andere Ökonomen mit Ihnen um?

Sedlácek: Andere Wirtschaftswissenschaftler sagen manchmal, ich sei naiv. Ich antworte ihnen: "Ja, ich bin jung und naiv, aber wie naiv seid ihr denn, wenn ihr glaubt, Menschen seien rational? Das ist naiv! Ihr glaubt, menschliches Verhalten lasse sich berechnen? Das ist dumm-romantisch-naiv! Ihr glaubt, die Wirtschaft müsse immer wachsen - das ist der Mont Blanc der Naivität! Unsere Gesundheitssysteme sind darauf aufgebaut, dass die Wirtschaft immer um soundso viel Prozent wächst. Aber wer sagt, dass das so ist? Welcher Gott hat euch das im Traum zugeflüstert?"

SPIEGEL ONLINE: Sie glauben also nicht, dass die Wirtschaft dauerhaft wachsen kann?

Sedlácek: Unser Wachstum ist unnatürlich. Wenn ich mir 10.000 Euro leihe, würde nur ein Idiot glauben, dass ich um 10.000 Euro reicher bin. Wenn die Regierung das Gleiche tut, sich für drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet, das Geld investiert und so dafür sorgt, dass die Wirtschaft um drei Prozent wächst, applaudieren alle. Sie glauben tatsächlich, dass wir dann drei Prozent reicher sind. Ein Großteil unseres Wohlstands ist künstlich. Unsere Gesellschaft ist berauscht von Schulden. Und die Wirtschaftswissenschaftler haben es verpasst, das richtig zu erklären. Das ist kein Wohlstand, das ist Schuldenwohlstand.

SPIEGEL ONLINE: Aber ohne die Schulden könnten sich die Staaten zum Beispiel weniger gute soziale Sicherungssysteme leisten. Wäre das wirklich sinnvoll?

Sedlácek: Das ist nicht notwendigerweise so. Die Regierung könnte zum Beispiel die Steuern erhöhen oder andere Ausgaben kürzen. Sie müsste nicht unbedingt bei den Sozialausgaben sparen. Ein utopisches Gedankenspiel: Ein Staat hat in normalen Zeiten null Prozent Staatsverschuldung. In einer Krise würde dieser Wert vielleicht auf 20 oder 30 Prozent steigen, was im Vergleich zu heutigen Schuldenständen immer noch sehr gut wäre. Es gäbe keinen Staatsbankrott und keine sozialen Einschnitte.

SPIEGEL ONLINE: Wenn die Staaten keine Schulden mehr machen würden, hätten Anleger ein großes Problem - zum Beispiel die Versicherungen, die Ihre und meine Altersvorsorge irgendwo anlegen müssen. Wer Zinsen haben will, braucht auch jemanden, der Schulden macht, und das sind derzeit vor allem die Staaten.

Sedlácek: Es gäbe immer noch genug Möglichkeiten. Ich bin nicht gegen Kredite, ich arbeite schließlich in einer Bank. Aber es ist wie mit allem: Wenn du es übertreibst, wird es dich umbringen. Wir verstehen ja nicht mal richtig, wie Schulden funktionieren. Wir haben keinen verdammten Schimmer davon. Das haben wir der ganzen Welt 2008 eindrucksvoll gezeigt. Wir sollten also vorsichtig damit umgehen. Sonst haben wir eine Wirtschaft, die zwar wächst, aber sehr instabil ist.

SPIEGEL ONLINE: Was schlagen Sie als Alternative vor?

Sedlácek: Es gibt zwei Instrumente, Krisen zu lösen: Die Geldpolitik und die Fiskalpolitik. Die Geldpolitik ist das Monopol, Geld zu drucken, die Fiskalpolitik ist das Monopol, Schulden zu machen. Bei der Geldpolitik haben wir irgendwann verstanden, dass es nicht sinnvoll ist, sie in die Hand der Politik zu legen, und haben sie einer unabhängigen Institution überlassen, der Zentralbank. Und das war eine gute Entscheidung. Mein Vorschlag ist: Lasst uns das auch mit der Fiskalpolitik machen.

SPIEGEL ONLINE: Eine unabhängige Schuldenbehörde?

Sedlácek: Wussten Sie, dass in der ganzen Herr-der-Ringe-Trilogie keiner der Weisen den Ring der Macht auch nur berührt hat? Gandalf, Aragon, Gimli - nicht mal Legolas hat den Ring angefasst. Sie alle wussten, er ist zu mächtig, zu verführerisch und muss zerstört werden. Das Gleiche hat man mit der Geldpolitik gemacht. Stellen Sie sich vor, Angela Merkel hätte die Möglichkeit, Geld zu drucken. Selbst für Angela Merkel, die sehr bodenständig ist, wäre das eine große Versuchung. Ich glaube, nicht mal sie würde widerstehen. Sie würde sich den Ring der Macht anziehen.

SPIEGEL ONLINE: Und deshalb sollte man ihr auch die Möglichkeit entziehen, Schulden zu machen?

Sedlácek: Ja. Jeder Politiker ist in einem riesigen Interessenkonflikt, wenn es um Fiskalpolitik geht. Einerseits muss er die langfristige Stabilität des Landes im Auge behalten, andererseits hat er die Möglichkeit, das Wachstum durch Schulden kurzfristig deutlich zu erhöhen. Deshalb sage ich: Lasst uns die Fiskalpolitik den Politikern wegnehmen, nicht die Steuerpolitik, aber die Möglichkeit, Schulden zu machen. Die Bürger jedes Landes sollten demokratisch entscheiden können, ob sie einem Land mit niedrigen Steuern und niedrigen Ausgaben leben wollen oder in einem Land mit hohen Steuern und hohen Ausgaben. Was nicht geht, ist niedrige Steuern und hohe Ausgaben.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden Haushaltsdefizite also ganz verbieten?

Sedlácek: Nein. Genauso wie ich das Gelddrucken erlauben würde, würde ich auch das Schuldenmachen erlauben. Ich würde es nur der Politik entziehen. Man sollte Überschüsse erwirtschaften, solange die Wirtschaft wächst, und Defizite sind nur erlaubt, wenn die Wirtschaft wirklich leidet. Das muss entweder automatisch gesteuert werden oder von einer unabhängigen Institution. Wichtig ist nur: Die Politiker dürften nicht die Möglichkeit haben, darauf Einfluss zu nehmen. Das wird nicht alle Probleme lösen, aber es adressiert zumindest das derzeit wichtigste Problem.

URL:http://www.spiegel.de/wirtschaft/tomas- ... 16975.html
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Re: Finanzkrise

9. Feb 2015, 14:26

hier ein Auszug aus einem langen Arbeit von 2011:
http://duepublico.uni-duisburg-essen.de ... enland.pdf

Griechenland und die Euro-Krise
..Trotzdem wurde Griechenland im Jahr 2001 in die inzwischen innerhalb der Europäischen Union geschaffene Gruppe der Euro Länder (Euro-Zone) aufgenommen. Zwar verschleierten die nach Brüssel gelieferten statistischen Grunddaten das Ausmaß der nationalökonomischen Schieflage. Es war jedoch allen Akteuren bewusst, dass Griechenland die im Maastricht-Vertrag festgelegten Kriterien nicht erfüllte. Vor allem die haushaltspolitischen Parame sprachen entschieden dagegen. Warum dessen ungeachtet die Weichen zum Beitritt gestellt wurden, werden wir erst mit Sicherheit wissen, wenn die einschlägigen Akten zugänglich geworden sind.

Wir können jedoch schon jetzt davon ausgehen, dass dabei vor allem geostrategische und tagespolitische Gründe ausschlaggebend waren. Zwei Jahre nach der Zerschlagung Jugoslawiens bildete Griechenland einerseits ein entscheidendes Glacis für die beginnende EU-Integration des Balkans, und andererseits sicherte es die südöstliche Flanke der ins Auge gefassten sogenannten Osterweiterung der Europäischen Union ab. Aber auch die Tagespolitik spielte eine wichtige Rolle. Der griechische Oberste Gerichtshof hatte gerade einer Entschädigungsklage von Opfern der deutschen Okkupation während des zweiten Weltkriegs stattgegeben und die Konfiskation deutscher Vermögenswerte in Griechenland für rechtens erklärt.

Nur die griechische Regierung konnte das Verfahren noch aussetzen. Sie tat dies, nachdem ihr die deutsche Bundesregierung die Unterstützung ihres Antrags zur Aufnahme in die Euro Zone zugesagt hatte. Aus der damaligen Perspektive der griechischen Machteliten war die Aufnahme in die Euro-Zone attraktiv. Sie konnten nun mit einem Schlag ihre extrem abgewertete Landeswährung loswerden und erlangten den Zugriff auf den „harten“ Euro, der ihnen über aus billige Refinanzierungsmöglichkeiten eröffnete. Es kam zu einem rasanten Wirtschaftswachstum mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 3,7 und 5,2 Prozent, das bis zum Jahr 2007 anhielt. Die maritime Logistik, der Tourismus, die Bauwirtschaft und die Banken boomten. Hinzu kamen massive Importe französischen, deutschen und schweizerischen Kapitals zum Ausbau der Infrastruktur.
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Re: Finanzkrise

9. Feb 2015, 20:06

btw. will die griechische Regierung auch an die reichen Griechen ran. Ein großes Programm haben sie sich vorgenommen - die Frage ist, dass wenn in den kommenden Wochen die EZB / Ex-Troika / Deutschland sich auf stur stellen, was geschieht dann? Einsicht bei deutschen Politikern ist so wahrscheinlich, wie der morgige Weltfrieden. Also, was geschieht? Der Rücktritt der Regierung, da das Land dann pleite ist? Oder werden sie dann von sich aus einen Austritt aus dem Euroraum anstreben? Und dann? Ist Griechenland erst aus dem Euro, dann wird das Modell Schule machen. Aber vielleicht auch das eine Chance?
zu den Reichen: http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... ichen.html ist imo zu spät, die hätten in der Wahlnacht sämtliche Konten sperren sollen und GR vom int. Bankensystem trennen müssen. Jetzt ist es zu spät. 2010 hat GR bereits eine CD mit Steuersündern bekommen, , von Christine Lagarde persönlich(!) aber verschwinden lassen. http://www.tagesspiegel.de/politik/affa ... 13470.html zugegeben, dafür kann die aktuelle Regierung nichts. Das nicht weiterverfolgt zu haben, ist imo Kollektivschuld des Staates.

Heutige Forderungen:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 19157.html

zu den Privatisierungen: find ich auch nicht gut, aber grundsätzlich kann ein Staat Anlagen nicht wirtschaftlicher betreiben. Man gucke sich mal das Desaster um Berliner Flughafen an :rofl:, schlechter kanns privat auch nicht laufen

yay, 1000EUR hat er jedem Einwohner versprochen..die 11MRD verpuffen also an einem Tag
Von Deutschland erwartet der neue Regierungschef einen Beitrag in Höhe von 11 Milliarden Euro zur Erleichterung der Schuldenlast in Form von Reparationszahlungen für die Schäden des Zweiten Weltkrieges und mit der Rückzahlung einer Zwangsanleihe der deutschen Besatzer. Deutschland habe dazu eine moralische Verpflichtung, glaubt Tsipras.
In seinem Programm kündigt Tsipras zahlreiche Schritte an, mit denen der Einfluss der Regierung und des Staates in der Wirtschaft erheblich erweitert werden soll. So soll per Gesetz die Unabhängigkeit des Bankenrettungsfonds HFSF abgeschafft werden. Dieser Fonds hatte mit geliehenen 50 Milliarden Euro, für die Europa bürgt, vier große griechische Banken gerettet und hält an diesen noch immer zwischen 35 und 67 Prozent der Anteile. Bisher kamen vom Fonds, mit unabhängigen Auslandsgriechen und ausländischen Fachleuten im Aufsichtsrat, keine Eingriffe in das Tagesgeschäft der Banken. Doch schon am Wochenende war bekanntgeworden, dass das größte Kreditinstitut, National Bank of Greece, eine neue, politisch ernannte Führungsspitze erhält. Der Ministerpräsident sagte, die Banken müssten unter anderem eine Rolle beim Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung spielen.

Tsipras wandte sich gegen weitere Privatisierungsschritte. Man werde keinen Ausverkauf öffentlichen Eigentums fördern, um damit eine unhaltbare Schuldenlast oder laufende Ausgaben zu finanzieren. Für einen „Neustart der Wirtschaft“ würden die Gelder des Arbeitsministeriums umgelenkt, um neue Arbeitsplätze in den privaten, öffentlichen und sozialen Bereichen der Wirtschaft zu fördern. Gegen die soziale Not versprach Tsipras kostenlose Wohnungen, Strom, Ernährung und Gesundheitsversorgung für Tausende Familien, die Opfer der Wirtschaftskrise geworden seien. Rentner mit Bezügen von bis zu 700 Euro würden Ende dieses Jahres eine dreizehnte Überweisung bekommen, das Rentenalter soll nicht weiter angehoben werden. Zugunsten von Kleinverdienern wird die Steuerfreigrenze von 5000 auf 12.000 Euro im Jahr angehoben. Bis 2016 soll der Mindestlohn um 28 Prozent auf 751 Euro im Monat angehoben werden. Die neue Immobiliensteuer soll abgeschafft und durch eine Reichensteuer ersetzt werden. Zu den Sofortmaßnahmen gehört die Wiedereinstellung von entlassenem Personal im öffentlichen Dienst.
Dazu fällt mir nur ein: jetzt dreht Tsipras völlig durch. Wie realistisch ist denn Zustimmung für solche Maßnahmen in den übrigen EU-Ländern. Ich meine nicht: wie sinnvoll, berechtigt.. sondern wie durchsetzbar? Dafür arbeite ich gerne bis 75 und finanziere jedem 45jährigem Frührenter-Griechen noch einen neuen SUV, weil die Milliarden an Infrastrukturförderung der letzten Jahrzehnte nicht in Strassen sondern Jachten geflossen sind?

Bzgl. der Wohnungen und der Arbeitslosen: sicher ist richtig, dass die ein Dach übern Kopf behalten. Keine Frage. Die Häuser: wurden größtenteils "schwarz" gebaut, keine Steuern drauf abgegeben. Immobiliensteuer hat er abgeschafft! Die zahlt in DE jeder Besitzer/Mieter etc. über seine Nebenkosten! Warum GR nicht?

Katasteramt: existiert immer noch nicht. Wird das aufgebaut? Wohl kaum.. dann wären alle Besitzer ja amtlich bekannt.
Finanzamt: ist ein Aufbau in Planung? Nein. Die alten korrupten Helden sollen wieder eingestellt werden. Seit 2008 ca. gibt es ein Angebot von DE, ca. 120 griechischsprachige Finanzbeamte nach GR zu schicken um ein funktionierendes System aufzubauen. Abgelehnt. Auch von Tsipras. Könnte ja die Bevölkerung, die Wähler, verärgern.

Die einzige Chance, die ich für Tsipras überhaupt noch sehe genügend Druck auf die EU auszüben, ist einen militärischen Krawall in und um die Ägäis zu starten, deutsche Waffen gibts das ja genug. Oder nur glaubhaft anzudrohen. Und USA rauszuwerfen, sofern die da noch Stützpunkte haben. Und sein rechter Koalitionspartner ist gaga genug das durchzuziehen. DARAUF hätte z.Z. so niemand Bock.. könnte kurzfristig ein paar Mrd. bringen, würde sich aber furchtbar rächen. Schlimmer geht immer. /edit: Boh, ich reg mich immer noch so über Tsipras und Co auf. WTF!! Hätten die sich ne Krawatte umgebunden und weitere MRD Kredite erschlichen - UM DANN alle Versprechen zu brechen und nen Neustart zu machen.. wär zwar übel für uns, aber gäbe einen nr.19-Sympathiepunkt :joint: wäre dann so ein Piratending geworden.. $ einsacken und weg. Aber im Hippy-Outfit beim Schäuble vorsingen, das kann nur schiefgehen :baeh: Beim Varoufakis, guter Ökonom und vor allem Spielstratege - frag ich mich, spielt er das Spiel für sich - oder fürs Land? War er schon aufn Titelbild der Vogue? Kommt noch. Und dann ab nach USA, wie der Rest der Bande.

/edit2: fällt mir noch ein: war vor Jahren oft in Italien unterwegs, hauptsächlich Mailand. Da galt damals schon: die Kassenbons aus Restaurants/Cafes unbedingt aufbewahren.. es konnte innerhalb 500m von den Cafes kontrolliert werden, ob man einen hatte.. um den "schwarz"-Einnahmen entgegen zu wirken. Ohne Bon wär das böse ausgegangen. Ist sowas in GR jetzt auch eingeführt? lol, neverever. Daher wird GR auch keine Solidarität von Italien bekommen, und von Spanien auch nicht: trotz korrupter Zustände ist da mehr von EU-Infrastrukturhilfen auch in Beton gegossen worden. Fahr mal nach Velencia :). Wenn Tsipira Solidarität erwarten kann, dann NUR von Frankreich.. weil FR's Forderungen gegen GR mickrige 10MRD betragen. Was soll denn Lettland oder Estland sagen? Denen gehts noch dreckiger als GR; die sparen sich nen Wolf um irgendwann mal EU-Standard zu erreichen; was würden die zu einer Bevorzugung von GR sagen.. :denk: was uns erwartet, und -für uns-, gar nicht so übel werden mag, ist eine Nord-EU, unter Ausschluss nicht-produktiver-Staaten auf Afrika-Niveau wie GR.
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Re: Finanzkrise

10. Feb 2015, 12:18

Es ist wie mit einer Kuh, die immerzu Milch geben soll. Und wenn sie mal keine mehr gibt, wird der Bauer böse und tritt die Kuh und schimpft: "Warum gibst du keine Milch mehr?" Und die Kuh sagt: "Ich habe dir schon so viel Milch gegeben, da stehen zwölf Kannen voll, in einigen wird die Milch schon schlecht. Du weißt gar nicht, wohin mit der ganzen Milch."
So sollte man das schon den Kindergartenkindern beibringen. Das dürfte eigentlich jedes Rindvieh verstehen.
Sedlácek: Ja. Jeder Politiker ist in einem riesigen Interessenkonflikt, wenn es um Fiskalpolitik geht. Einerseits muss er die langfristige Stabilität des Landes im Auge behalten, andererseits hat er die Möglichkeit, das Wachstum durch Schulden kurzfristig deutlich zu erhöhen. Deshalb sage ich: Lasst uns die Fiskalpolitik den Politikern wegnehmen, nicht die Steuerpolitik, aber die Möglichkeit, Schulden zu machen. Die Bürger jedes Landes sollten demokratisch entscheiden können, ob sie einem Land mit niedrigen Steuern und niedrigen Ausgaben leben wollen oder in einem Land mit hohen Steuern und hohen Ausgaben. Was nicht geht, ist niedrige Steuern und hohe Ausgaben.

SPIEGEL ONLINE: Sie würden Haushaltsdefizite also ganz verbieten?

Sedlácek: Nein. Genauso wie ich das Gelddrucken erlauben würde, würde ich auch das Schuldenmachen erlauben. Ich würde es nur der Politik entziehen. Man sollte Überschüsse erwirtschaften, solange die Wirtschaft wächst, und Defizite sind nur erlaubt, wenn die Wirtschaft wirklich leidet. Das muss entweder automatisch gesteuert werden oder von einer unabhängigen Institution. Wichtig ist nur: Die Politiker dürften nicht die Möglichkeit haben, darauf Einfluss zu nehmen. Das wird nicht alle Probleme lösen, aber es adressiert zumindest das derzeit wichtigste Problem.
Find ich einen sehr interessanten Gedanken, der mir so bisher noch nirgends begegnet ist. Komisch ist daran aber doch, dass die Volksvertreter sich dann selbst einschränken müssten, indem sie ein Gesetz bzw. ein System entwickeln, dass ihnen selbst verbietet Schulden zu machen. Ich zweifle irgendwie daran, dass das politisch gewollt ist. ;)

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Re: Finanzkrise

10. Feb 2015, 20:05

so sollte es ja auch sein, die Autonomie liegt bei den Noten/Zentralbanken, nur wenn eine Situation zur Krise erklärt wird.. die und die Chefs diese Banken von der Politik bestimmt werden.. können sie sich dem Druck nicht immer oder einfach entziehen.

Aus dem Artikel: http://www.welt.de/finanzen/article1372 ... e-nie.html

hab ich die beiden Grafiken geschnitten.. da sieht man, wie die Spareinlagen in Griechenland von 2006 bis 2009 fast um 100 Mrd gestiegen sind, genau wie die Schulden, die GR gegenüber dem Eurosystem aufgebaut hat. Dazu hätte ich mal gerne eine Erklärung, ob das z.B. Zufall ist :D
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Re: Finanzkrise

10. Feb 2015, 21:15

wir haben fiatgeld - nur wenn jemand schulden macht, wird geld generiert. und weil dieser vorgang zinsen kostet (geld bzw. schulden was noch nicht existiert) braucht es neue schulden. so wächst der schuldenberg kontinuierlich, das lässt sich nicht umdrehen, ohne dass gleichzeitig die wirtschaft kaputt geht. wieso weiß das denn kaum jemand? :verwirrt:
und weil die schulden auf der einen seite wachsen, wächst auf der anderen seite das guthaben von (wenigen) personen.
und da es kein grenzenloses wachstum gibt in einer endlichen welt, ist der wirtschaftscrash vorprogrammiert. er lässt sich nicht abwenden - die frage ist nur, wann er kommt. (bald warscheinlich :bow: )
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Re: Finanzkrise

10. Feb 2015, 21:30

:) wissen wir doch. und die Politik auch, darum hats ja negativ-Zinsen bei den grossen Instituten. Wenn wir von Bankenrettung in GR sprechen, warum mussten die gerettet werden, wohin ist deren Geld versickert? Guck mal die Linien oben.. von den Banken auf die Sparbücher in GR (über Umwege, aber letztendlich ist die Kohle da gelandet)..das hat imo Löcher gerissen. Man sollte das imo zurückbuchen. Zur Zeit stehen die Leute Schlange an den Geldautomaten in GR, bevor es noch den Vermögensschnitt wie in Zypern gibt. Letztendlich heisst das: was ich (und andere) hier unfreiwillig einspare, einparen musste, durch Sparmaßnahmen, Gehaltsverzicht, Kurzarbeit, höhere Abgaben - sprudelt zur Zeit in GR aus den Automaten. Lustig. Logistische Meisterleistung. Oder interpretier ich die Daten falsch.

http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... orbei.html
Auf die Frage nach der Konsequenz eines von Athen angedrohten Ausstiegs aus dem Hilfsprogramm sagte Schäuble: "Schön. Wir haben das nie aufgedrängt. Also überhaupt kein Problem. Aber dann ist es eben vorbei." In Brüssel würden die Finanzminister der Euro-Gruppe die Vorstellungen der griechischen Regierung "zur Kenntnis nehmen und überlegen, was die nächsten Schritte sein können".
:rofl: heute erst meine Zustimmung für Merkel, jetzt bringt Schäuble mich zum schmunzeln. Falsche Welt. :D "Schön".. sagt er.. muss man sich mal mit dem Dialekt vorstellen. Klasse. :lol: Ob er das nun ernstmeint, wenn er so scherzt..sei dahingestellt. :glaskugel:, glaube diesmal aber schon. Morgen wird spannend.
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Re: Finanzkrise

11. Feb 2015, 19:15

http://www.welt.de/wirtschaft/article13 ... ng-zu.html
Russland sagt Griechenland Unterstützung zu
ist die Überschrift, aber nicht ganz richtig.. RUS hat zugesichert:

richtig ist:
Athen könnte einen neuen Partner haben: Sollte Griechenland Russland um Finanzhilfe bitten, werde man das prüfen, sagt Außenminister Lawrow.


falls RUS die Schulden von GR übernehmen sollte, fänd ich das superklasse, keine Frage. Genau wie das Pipelineprojekt. Nur so recht dran glauben kann ich aber (noch) nicht. :D Wenn das aber passiert: dann Chapeau @Tsipras :D
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raterz
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Re: Finanzkrise

11. Feb 2015, 21:41

natürlich sprudelt das deutsche geld aus griechenlands geldautomaten - so wie überall sonst in südeuropa auch. diese ausgleichszahlungen um viele ecken sind vorraussetzung, dass dieser euro überhaupt existieren kann bei so unterschiedlichen wirtschaftssystemleistungen.
vom euro profitieren vor allem wenige großkonzerne - dafür zahlen tut hier die breite masse. aber da alle den euro gut finden, müssen sie sich halt damit abfinden, dass sie weniger geld in der tasche haben. :nixplan:
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n19
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Re: Finanzkrise

17. Feb 2015, 18:40

alle finden den Euro gut? Glaub ich nicht :D Profitiert haben imo lange viele in GR, quer durch alle Gehaltsklassen. Wie gehts denn da nun weiter? Ein paar Tage können wir noch spekulieren und fabulieren ;) :D ich bleib bei meiner Progrnose, ganz ohne Wertung: Tsipras & Co scheitern, vor der EU und danach in GR. Wenn die EU die Türen zuknallt, wird die Lage in GR nicht besser, ich seh bald schon Neuwahlen, und eine anschließende Aufweichung der harten EU-Front. Das Wesen der Politik z.Z. ist, dass immer alle Erwartungen und Hoffnungen der Wähler enttäuscht werden. In GR, aber auch hier *nach* dem Grexit..die Kohle wird weiter fließen, immer weg von denen, die sie mit letztendlich verdienen, mit ihrer Arbeit, Zeit und Kraft. :nixplan: Man kann dem Papandreou ja viel vorwerfen, aber erinnert sich noch jemand: er wollte das "eu-Sparpaket" immerhin demokratisch legitimisieren lassen; anscheinden hat er auch keine Lösung gesehen. Wie gesagt: "wollte".. paar Tage später war er aus dem Amt. Warum es nicht soweit gekommen ist wäre mal nachforschenswert. Aktuell: die Lage ist so daneben..imo wäre ein (fingierter pseudo-) islamistischer Anschlag in Athen auf die aktuelle Regierung der Changer, dann wären alle Streitereien schnelll vergessen und aus lauter Solidarität etc. - neue Wege der Finanzierung und Stabilisierung(!) fast schon alternativlos. Gefühlte Chance: 60%. Top, die Wette gilt.
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Erraphex
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Re: Finanzkrise

18. Feb 2015, 19:18

The trouble with game theory, as I used to tell my students, is that it takes for granted the players’ motives. In poker or blackjack this assumption is unproblematic. But in the current deliberations between our European partners and Greece’s new government, the whole point is to forge new motives. To fashion a fresh mind-set that transcends national divides, dissolves the creditor-debtor distinction in favor of a pan-European perspective, and places the common European good above petty politics, dogma that proves toxic if universalized, and an us-versus-them mind-set.
http://www.nytimes.com/2015/02/17/opini ... .html?_r=0
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Re: Finanzkrise

19. Feb 2015, 05:13

In einem Interview im Deutschlandfunk hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kurz vor den Verhandlungen der europäischen Finanzminister mit Griechenland am vergangenen Montag seine Sicht der Dinge dargelegt. Es ist ein bemerkenswertes Interview, weil darin klar zu Tage tritt, dass Wolfgang Schäubles Wahrnehmung der griechischen Realität vollkommen verzerrt ist. „ … Griechenland [fährt] einen Weg …, der allmählich dazu führt, dass Griechenland auch wieder eine wettbewerbsfähige Wirtschaft hat. Das war auch auf gutem Weg…“, sagt der Minister. Und etwas später: „ … es geht darum, dass man auf dem Weg, der in den letzten Jahren … dazu geführt hat, dass die Arbeitslosigkeit in Griechenland zurückgeht, dass sie wieder erfolgreich wirtschaften … , dass sie dabei waren, in die richtige Richtung sich zu bewegen. Wenn dieser Weg fortgesetzt wird, dann werden sie Erfolg haben…“ Nach den ergebnislosen Verhandlungen am Montag setzte der Minister noch eins oben drauf, indem er laut Spiegel Online formulierte: “Niemand der Kollegen hat bisher verstanden, was Griechenland am Ende wirklich will … Die entscheidende Frage ist und bleibt, dass Griechenland sich entscheiden muss, will es eigentlich dieses Programm oder will es das nicht.“
Wenn es so wäre, dass Griechenland bereits auf einem guten Weg war, dass wieder erfolgreich gewirtschaftet wurde und die Arbeitslosigkeit tatsächlich (und nicht nur statistisch) zurückgegangen ist, dass es vielen Menschen in Griechenland bereits wieder besser ginge als unmittelbar nach dem Absturz der Wirtschaft im Zuge der Finanzkrise 2008/2009, dann könnte man irgendwie nachvollziehen, warum Wolfgang Schäuble so sehr darauf pocht, dass entweder das Hilfsprogramm für Griechenland mit allen seinen Auflagen fortgesetzt oder es ganz eingestellt wird, jedoch nach keiner anderen Lösung gesucht wird. Die Realität in Griechenland sieht aber anders aus, als Wolfgang Schäuble sie beschreibt. Und der Einfluss, den die Hilfsprogramme mit ihren Sparauflagen auf diese Realität in den letzten viereinhalb Jahren genommen haben, ist beinahe das Gegenteil von dem, was der deutsche Finanzminister ihnen andichtet. Das kann man auch belegen und wir wollen das hier noch einmal tun, um dafür zu werben, Griechenland einen anderen Weg als den bisherigen zu eröffnen, nämlich einen, der die Bezeichnung „gut“ wirklich verdient hat.
http://www.flassbeck-economics.de/griec ... cheideweg/
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Re: Finanzkrise

9. Mär 2015, 20:25

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/g ... n-reformen
Seltsame Volten aus Athen

Basis der Verhandlungen der Griechen mit den drei Institutionen dürfte neben der politischen Erklärung von vor zwei Wochen auch ein Sieben-Punkte-Plan sein, den Finanzminister Janis Varoufakis am Freitag verschickte. Er schlug vor, eine Steuer auf Online-Glücksspiel zu erheben sowie Griechen und ausländische Touristen im Auftrag der Steuerbehörden mit Knopflochkameras auszustatten, um der Hinterziehung von Mehrwertsteuer auf die Schliche zu kommen. Gleichzeitig kündigte er aber auch eine umstrittene Steueramnestie sowie eine Ausweitung von Sozialleistungen an.

Dieser Plan stieß allerdings auf wenig Begeisterung der Euro-Gruppe. "Ich glaube nicht, dass es in Griechenland viel Neues gibt", hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor Beginn des Treffens in Brüssel erklärt. Zuvor hatte sich auch sein Staatssekretär Steffen Kampeter kritisch geäußert. "Es reicht nicht aus", sagte Kampeter, "Briefe mit Unverbindlichkeiten auszutauschen."
Touristen mit Knopflochkameras? :rofl: was haben die geraucht? "nix neues aus GR", Schäubles Kommentar toppt das noch in Komik. Derweil droht der nationalistische Militärminister damit, Islamisten mit Papieren zu versorgen und nach Berlin zu schicken. Warte noch auf eine Flassbeck Erklärung dazu lol. Imo sollte man gr die nächsten Tage aus dem Schengenraum ausschließen und die Kohle, die ursprünglich für weitere Rettungspakete vorgesehen war, stattdessen in Grenzsicherung investierenen, bevor dieser Psycho seine Drohungen umsetzt. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 71489.html
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