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hobobird
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Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

26. Jul 2017, 08:11

Hey zusammen,

ich bin gerade auf diesen Artikel gestoßen, ein Gespräch für das Radio.
http://www.deutschlandfunk.de/ex-sekten ... _id=391956

Seit gestern läuft auch diese Doku im BR:
http://www.br.de/mediathek/video/video/ ... n-110.html

Die Doku werde ich mir heute Abend ansehen.
„So i put your picture in a different frame and hope that you don‘t look the same- shadows disappear.“

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aisling
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

26. Jul 2017, 14:10

Danke fürs hinweisen, habe Audio so nebenbei gehört. Eine Freundin von der mit dem Schlaganfall hatte schon vor ca. 2 Jahre einen medialen Feldzug gehabt, jetzt die nächste. Ich finde die Kritik an diesen Gruppendynamiken, Sektenstrukturen ja verständlich. Aber was mir echt weh tut, wenn auf der einen Seite MAPS darum kämpft, dass MDMA und LSD als Medikament für viele Bereiche anerkannt wird und mit solchen Einzelfällen wird in der öffentlichen Wahrnehmung viel zerstört, nur weil dort die gescheiterten Einzelfälle sich produzieren möchten und die Mehrheit, die mit den Methoden zufrieden sind werden ignoriert. Teilweise aber interessante Einblicke in diese psycholytische Szene.

Zu der Dame fällt mir sehr auf, dass dieser Weg für sie nicht der richtige war, sie ist voller Ängste und Kindheitstraumas. Das kann einem auch bei herkömmlichen Therapeuten passieren, also dass man über 20 Jahre viel Geld ausgibt und das nicht wirklich geholfen hat. Dass so mit Begriffen wie "geheime Psycho-Drogen" abzuwatschen und falschen Behauptungen zu LSD (irgendwas mit "wurde entwickelt um irgendwelche psyschischen Zustände zu simulieren" zu verzapfen ist schon echt albern. Dass das "geheim" ist liegt eher an der Gesellschaft und den Verboten, nicht an der Sache an sich.

Das ist so wie "Ich hatte eine Autounfall und möchte die Welt vor diesen tödlichen Autos warnen". Dadurch wird das "man kann sterben" sehr gross und das "die meisten sterben nicht" wird nicht erwähnt = verzerrte Wahrnehmung der ahnungslosen Zuschauer.

Fand Widmers "Ins Herz der Dinge schauen" vor vielen Jahren ganz gut, weiss aber nicht, ob ich das heute immer noch gut fänd, da hat sich einiges verändert.

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hobobird
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

26. Jul 2017, 18:48

Hey Aisling,

ja, bei dem LSD-Teil habe ich auch aufgehorcht, wenn man Jahrelang solche Substanzen um sich hat, vermeintlich auch mit ihnen hantiert sollte man seine Hausaufgaben schon gemacht haben und ganz abgesehen davon sollte man sich hüten so einen groben Unfug im TV zu erzählen.

Die anderen Akteure kenne ich nicht, genausowenig die Gemeinschaft, aber ich finde es wichtig, dass es da einen öffentlichen Diskurs gibt. Ich finde es erstmal auch mutig von ihr sich ihrer Vergangenheit offen zu stellen, sodass andere eine Idee davon bekommen was für Fehler man in so einem Umfeld machen kann.
Ich muss aber auch sagen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie nicht wirklich Verantwortung übernimmt für die Entscheidungen die sie getroffen hat.
Wenn ich einen Erfahrenen um Begleitung bitte und in einer Erfahrung etwas unangenehmes thematisiert wird ist es erstmal das einfachste den Begleiter dafür verantwortlich zu machen. Inwiefern man sich als "Anleiter" vor solch einem Missverständnis hüten kann ist eine andere Frage.

Eine kritische Auseinandersetzung ist wünschenswert, keine Frage, aber vor allem vor dem Hintergrund der neu erstarkenden Forschung und dem Potenzial das in all diesen Substanzen steckt hat sie anderen, die wie sie auf der Suche nach Heilung sind, vielleicht einen Bärendienst erwiesen.
Als Momentaufnahme in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema würde ich solch ein Interview niemandem vorenthalten wollen, aber für sich alleine kann es Uninformierte zu falschen Annahmen verleiten.
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aisling
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

26. Jul 2017, 21:33

Sie redet ähnlich wie ihre Freundin, dessen Name mir entfallen ist, die wollen halt ihre 100k Ausgaben für die Lehrer-Ausbildung wieder rein bekommen, schreiben ein Buch darüber und promoten das mit solchen Dokus. Daher ist das neben "mutig" auch einfach Geldmacherei. Dass "die anderen" Schuld sind klang bei ihrer Freundin auch so, ich finde halt dieser öffentliche Diskurs ist zu schädlich für das Thema "Therapie in Zukunft mit noch verbotenen Substanzen". Die Aufklärungsarbeit nach dem Drogenkrieg ist recht mühsam, da braucht man solche Leute nicht auch noch.

Hier noch ein Fall dazu:


Die Unfälle und schlechte Presse kommen vor allem wegen der Psycholyse in der Schweiz und in den nächsten Jahren wird MDMA in USA zugelassen und dann direkt vielleicht auch in Europa / Deutschland und da kann man keine schlechte Presse gebrauchen, daher gibt es da intern auch einigen Zoff zwischen den Befürwortern und einer Sekte, die schlechte Presse produziert.

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Erraphex
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

27. Jul 2017, 05:36

hobobird hat geschrieben:
26. Jul 2017, 18:48
Eine kritische Auseinandersetzung ist wünschenswert, keine Frage, aber vor allem vor dem Hintergrund der neu erstarkenden Forschung und dem Potenzial das in all diesen Substanzen steckt hat sie anderen, die wie sie auf der Suche nach Heilung sind, vielleicht einen Bärendienst erwiesen.
Als Momentaufnahme in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema würde ich solch ein Interview niemandem vorenthalten wollen, aber für sich alleine kann es Uninformierte zu falschen Annahmen verleiten.
Die Frage ist für mich hier wer hier wem einen Bärendienst erwiesen hat. Denn das, was hier berichtet wird, weckt bei mir große Zweifel ob diejenigen, die diese Arbeit anbieten eine gute Arbeit machen oder nicht massiv überfordert sind. Was befähigt sie diese Angebote zu machen? Ihre Ausbildung zum Psychotherapeuten? Nicht wirklich. Das es hier keine Ausbildung gibt macht die Sache nicht einfacher, keine Frage. Aber man könnte und sollte sich einiges bei indigenen Kulturen abschauen, bei denen Schamanen mit entsprechenden Pflanzen arbeiten.
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

27. Jul 2017, 06:08

Für mich sind nicht die Methoden, sondern die Prohibitions-Keule das Problem. Und dann findet man Wege, wie man dies in die Gesellschaft integrieren kann, dies muss mMn. nicht mal schamanisch sein. Momentan treibt es das in den Untergrund und der machen das im Verborgenen und diese Trennung führt zu solchen Problemen.

Wenn dann offen damit gearbeitet werden kann, dann wird auch einsickern, dass diese Zugänge "spirituell" oder "transpersonal" oder "schamanisch" sind und es werden dann automatisch passende Methoden entstehen. Beim schamanischen ist vieles rituell und hier entstehen dann auch wieder Zwänge. Ich finde es gut, dass wir frisch vor einer Art Neuentdeckung stehen und können da die alten Völker, die damit Erfahrungen gesammelt haben natürlich gerne auch einbinden und "um Rat fragen" ;)

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

27. Jul 2017, 07:23

Mir geht es auch weniger darum eins zu eins ihre Art der Arbeit zu übernehmen, sondern mehr um einige grundlegende Aspekte, die für diese Art der Arbeit imho essentiell sind. Damit spiele ich auch weniger auf die Rituale an, die adaptiert durchaus hilfreich sein können, sondern mehr auf die energetische Komponente der Arbeit. Das bedeutet als Minimalanforderung unter anderem den Raum vor fremden Energien zu sichern und energetisch zu halten.

Und da bin ich voll bei dir - die Prohibition verhindert oder erschwert jegliche offene und systematische Ansätze hier substantielle und verantwortungsvolle in die Gesellschaft integrierte Methoden zu entwickeln.

In dem Ayahuasca Umfeld (und ich sehe hier Parallelen) tummeln sich leider viele schwarze Schafe bzw. kenne ich nur sehr wenige, die ich für fähig halte damit verantwortungsvoll zu arbeiten. Und nachdem ich einige Teilnehmerstimmen gehört habe, entsteht bei mir der Eindruck, dass diese Menschen nicht befähigt sind diese Arbeit auszuführen. Das ist schlecht für die Klienten und für die Bewegung (mit all der guten und engagierten Arbeit ala MAPS..)
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

31. Jul 2017, 17:44

Es gab mit der Frau Bogenberger noch eine Radiosendung in Bayern 2.
In den letzten 10 Minuten sprechen Sie noch über ihre Erfahrungen mit der Psycholyse. Der Moderator gibt sich dabei hart brainwashed ala "Aber das sind doch DROGEN, wie konnten sie nur darauf reinfallen.
http://www.br.de/radio/bayern2/gesellsc ... r-104.html

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

31. Jul 2017, 19:21

Vor allem ganz besonders albern wenn man sich vor Augen führt wo das Wort her kommt.
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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

5. Aug 2017, 14:12

Aus dem Spiegel 32/2017:
Der Kult der Akademiker
Therapeuten Nach Drogenexzessen im Heilpraktikermilieu schildern zwei Aussteigerinnen die gefährlichen Praktiken in der verschwiegenen „Psycholyse“-Szene.
Der 27. April ist für Sabine Bundschu alljährlich ein besonderes Datum. „Da feiere ich meine Wiederauf erstehung“, sagt sie. Am fraglichen Frühlingstag 2014, einem Sonntag, erlitt sie bei einem Drogentrip einen Schlaganfall und zwei Hirnblutungen. Doch obwohl sie tagelang in Lebensgefahr schwebte, wurde sie wieder völlig gesund, nichts blieb zurück. „Ein Wunder“, glaubt sie. Geheilt ist die 58-jährige Musikerin aus München auch in anderer Hinsicht. Seit ihrem Zusammenbruch rührt sie keine Drogen mehr an. Stattdessen kämpft Bundschu vehement gegen Ärzte und Psychologen, die sie für ihren beinah tödlichen Kollaps verantwortlich macht. Gegen eine Bewegung, deren Mitglieder auf eine umstrittene und dazu verbotene Methode setzen: Sie verabreichen bei Therapiesitzungen und Workshops illegale Drogen mit dem Ziel, ihren Patienten zur „Bewusstseinserweiterung“ und zur „Erleuchtung“ zu verhelfen. Die sogenannte Psycholyse ist eine Art Geheimmedizin, die in Hinterzimmern betrieben wird. Praktiziert wird sie vor allem von Ärzten, Psychologen und angelernten Laien, die fest an ihre Wirksamkeit glauben, in ihr eine Art Königsweg in die Seele sehen. Es sind Überzeugungstäter. „Hier sind keine durchgeknallten Hippies am Werk“, sagt Aussteigerin Bundschu. Es handele sich vielmehr um einen „brandgefährlichen Akademikerkult“.
Publik wird die Methode nur, wenn dabei zwei Menschen sterben wie in Berlin, als 2009 ein Arzt illegale Drogen falsch dosierte. Oder wenn, wie 2015 im niedersächsischen Handeloh, 29 Teilnehmer eines Heilpraktikerseminars kollabieren und von 160 Helfern gerettet werden müssen. Der Seminarleiter, der 52-jährige Stefan S., muss sich demnächst vor dem Landgericht Stade verantworten (SPIEGEL 26/2017). Abgesehen von derart spektakulären Vorfällen, bewegt sich die Szene meist unterhalb des Polizeiradars. Bei SPIEGEL-Anfragen ließen sich die Gesprächsteilnehmer mehrerer Landeskriminalämter den Begriff Psycholyse teilweise zweimal buchstabieren. Auch bei der Hamburger Polizei weiß niemand Genaues, obwohl die meisten Teilnehmer des missratenen Heilpraktikerseminars in Handeloh aus Hamburg und Umgebung stammten. Kein Zufall: Die Drogensitzungen, untermalt mit psychedelischer Musik und teilweise begleitet mit fernöstlichen Entspannungsübungen, werden meist in der Provinz zelebriert, avisiert nur über Internetforen und Mundpropaganda, oft getarnt als private Feiern. Aussteigerin Sabine Bundschu weiß einen weiteren Grund für die schwierigen Ermittlungen. „Bei der ersten Sitzung musste ich einen Eid schwören, stets das gemeinsame Geheimnis zu wahren“, berichtet sie, „auch gegenüber der Polizei.“ Andernfalls habe sie mit schlimmsten Folgen zu rechnen: „Wenn du uns verrätst, wird dir etwas Schreckliches zustoßen.“ Davor hatte sie lange Angst. Dass sie trotzdem redet, begründet sie mit der zunehmenden Gefahr für psychisch labile und damit anfällige Personen, sich der Szene anzuschließen: „Die Leute müssen vor diesen Fanatikern gewarnt werden.“ Aus einem ähnlichen Grund entschloss sich auch die Drehbuchautorin Ariela Bogenberger, ihr Schweigegelübde zu brechen. Die Autorin, die schon zweimal für Fernsehfilme mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, sieht einen gefährlichen Trend: „Die Szene versucht jetzt, junge Psychologiestudenten zu gewinnen“, sagt sie. „Das muss verhindert werden.“ Beide Frauen, die auf der Internetseite der Kirschblütler der Unwahrheit bezichtigt werden, waren über Jahrzehnte hinweg ein Teil der Bewegung. Beide hatten früher psychische Probleme, beide wurden von Freunden in das Schweizer Dorf Lüsslingen-Nennigkofen geschickt. Dort gerieten sie in den Sog des Psychiaters Samuel Widmer, eines überzeugten Verfechters der Psycholyse. Der Arzt, der im Januar 2017 verstarb, behandelte jahrzehntelang unzählige Patienten mit psychedelischen Drogen. Außerdem gründete er eine Kommune, die sogenannte Kirschblütengemeinschaft, in der er mit zwei Frauen und elf Kindern lebte und rund 200 Anhänger um sich scharte. „Für die war er eine Art Gott“, erinnert sich Künstlerin Bogenberger, „und für mich auch.“ Von ihm erhoffte sie sich Erlösung von allen Nöten. „Ich habe ein richtiges Doppelleben geführt“, berichtet die 55-Jährige. „Einerseits war ich Autorin, Mutter, Ehefrau, andererseits Mitglied einer Sekte.“ Denn natürlich sei die Kirschblütengemeinschaft nichts anderes als eine Sekte gewesen: mit einem Guru, nach dessen Pfeife alle tanzten, mit rigorosen Vorgaben nach innen, mit Abschottung nach außen. Besonders ungern erinnert sich Bogenberger an Sitzungen, bei denen die Teilnehmer unter Drogen gesetzt und zu Sex mit wechselnden Personen animiert worden seien, angeblich zwecks Abbau von Eifersucht und Besitzansprüchen. „Ich habe mit Männern zusammengelegen, die ich da nicht haben wollte“, bedauert sie. „Aber ich dachte, ich muss das tun, es trägt zur Heilung bei.“ Noch heute schäme sie sich dafür, ihre Familie habe darunter sehr gelitten. Schlimmer als jedes Einzelschicksal sei jedoch die ständig wachsende Verbreitung der gefährlichen Therapiemethode. Widmer habe unzählige Ärzte und Psychologen in seiner Lehre unterwiesen, die meisten aus Deutschland. Die würden jetzt weitere Gruppen aufbauen, neue Mitglieder unter Psychologiestudenten anwerben, das geheime Netzwerk der Psycholyse-Anhänger auszubauen versuchen. Sie selbst, erklärte sie vergangene Woche im bayerischen Fernsehen, habe früher dazu beigetragen, Menschen in die Sekte zu locken. Heute tue ihr das sehr leid. „Ich war in der Meisterklasse, das war eine besondere Auszeichnung“, berichtet die Autorin. Obwohl keine Medizinerin, habe sie Seminare leiten, Neulinge mit den Regeln vertraut machen und auf die gemeinsame Sache einschwören dürfen. „Wir fühlten uns als Elite“, sagt Bogenberger rückschauend, „Leute ohne unser Weltbild nannten wir herablassend Durchschnittsmenschen.“ Die Drogenseminare liefen immer nach dem gleichen Ritual ab, berichtet Aussteigerin Sabine Bundschu, „grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Substanzen“. Zunächst werde meist die Partydroge MDMA, also Ecstasy, verteilt. Wenn die Wirkung nachlasse, etwa nach vier Stunden, komme eine zweite Substanz wie LSD dazu – jenes Halluzinogen, das zu Wahnvorstellungen und Panikattacken führen kann, dem jedoch eine besonders bewusstseinsverändernde Wirkung zugeschrieben wird. Bezeichnend dabei: Der jeweilige Stoff werde nie beim Namen genannt. Stattdessen sei von „Sakramenten“ die Rede. „Eine verantwortungslose Verharmlosung“, kritisiert Laszlo Pota vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Wer Menschen in Lebenskrisen mit Drogen zu heilen versuche, „der weiß nicht, was er tut. Er setzt nicht nur deren Gesundheit, sondern auch deren Leben aufs Spiel“. Zu Beginn der Behandlung fühlte sich Bundschu „wie im Paradies“: Im Drogenrausch glaubte sie, schärfer zu sehen, besser zu hören, tiefer zu empfinden. Ihre Probleme waren weit weg. Weil sie hinterher umso massiver zurückkamen, versuchte sie immer häufiger, mithilfe der chemischen Substanzen alles zu vergessen. Gab für Seminare und als Kurse getarnte Drogen-Meetings immer mehr Geld aus, bis zu ihrem Ausstieg rund 50000 Euro. Dass es mit der viel beschworenen Solidarität und Liebe innerhalb der Szene nicht weit her war, erlebte die Aussteigerin immer dann, wenn es brenzlig wurde. Wenn Teilnehmer im Drogenrausch ausrasteten, in Krämpfe fielen, sich übergeben mussten oder vor Schmerzen schrien, konnten sie nicht mit Mitleid rechnen. „Das galt als Zeichen inneren Widerstands“, berichtet Bundschu, „es hieß, die Psyche wehre sich gegen die Bewusstseinserweiterung.“ Deshalb hätten zwei Mitglieder der Szene sie nach ihrem Zusammenbruch über 55 Stunden liegen lassen, ohne Hilfe zu holen. „Sie glaubten, das Böse müsse raus.“ Dass jetzt ausgerechnet in ihrem Heimatland Bayern offen für die Psycholyse geworben wird, findet die Münchnerin skandalös. Im malerischen Pfaffenhofen an der Ilm gründete der Diplompsychologe Christoph Kahse im Juni 2016 die Psychedelische Gesellschaft Deutschland. Auf deren Website heißt es unverblümt, MDMA und LSD gehörten in die Legalität und in die Therapie, in zahlreichen Beiträgen wird Drogenkonsum befürwortet und verharmlost. Kahse selbst vergleicht die Entdeckung der Psycholyse mit der Erfindung des Fernrohrs. Damals habe das Fernrohr erst den richtigen Blick auf die Sonne und die Planeten ermöglicht, heute eröffne die Psycholyse die Aussicht auf ein neues Welt- und Menschenbild. Zwar bestreitet der Psychologe, selbst illegale Drogen zu verabreichen. Eine Reportage im Bayerischen Fernsehen legt etwas anderes nahe. Zu sehen sind heim liche Filmaufnahmen einer Gruppensitzung. Ein Teilnehmer erklärt dazu, dass Kahse der Gruppe die bevorstehende Abgabe von Ecstasy und LSD ankündigte – er selbst behauptet jedoch, nur Aufklärungsarbeit geleistet zu haben. Trotzdem womöglich einer der seltenen Anlässe, gegen einen Therapeuten der Szene vorzugehen. „Wir haben ihn auf dem Schirm“, bestätigte ein Drogenexperte der Polizei.
Bruno Schrep

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

5. Aug 2017, 14:16

Danke für den SPON plus-Artikel! :2daumen:
~~ courage ~ compassion ~ connection ~~
~~ ~~ ~~ ~~ vulnerability ~~ ~~ ~~ ~~

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

7. Aug 2017, 19:59

ich halte das für nicht repräsentativ für den "psycholitischen Underground" und den Artikel sein Geld nicht wert. Trotzdem thx fürs teilen, denn was da in diesem Fall im Detail passiert ist, ist schon interessant.
„Hupen Sie, wenn Sie bewaffnet sind!“ (R.A.W)

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

7. Aug 2017, 21:53

Keine Sorge, habe für den Artikel nichts gezahlt.

Also die Guru-Masche vom Widmer für sich selber zu hinterfragen finde ich ja gar nicht so dramatisch, hätten sie vllt. auch früher drauf kommen können. Aber dieses undifferenzierte Gelaber, dass das ja alles "illegale Drogen" sind und dann noch mit dem Finger anklagend auf Christoph Kahse zeigen, der sich halt engagiert und Gesicht zeigt um den Zugang in die Psychotherapie zu erarbeiten und mit solchen Artikeln wird die Arbeit direkt in die Tonne getreten.

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Re: Erfahrungen aus dem psycholytischen Underground- Kritik an der Kirschblütengemeinschaft

6. Nov 2017, 20:30

Hier noch so ein Fall:
https://www.deutschlandfunknova.de/beit ... -hier-raus

Zu den aktuellen Forschungen in USA von MAPS etc. die so einer Kritik wohl nicht standhalten würden wird leider nichts gesagt.
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