Re: kratom

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Ein Bekannter von mir, in früheren Jahren exzessiver Kratom Gebraucher, entwickelte in seiner aktiven Zeit eine Leberinsuffizienz mit Erhöhung der Transaminasen, also der klassischen Leberwerte mit unklarer Genese. In der folgenden Zeit der Abstinenz normalisierten sich seine Leberwerte wieder. Heute bin ich über den folgenden Bericht über mögliche Leberschädigungen gestolpert.

Liver Experts Sound Alarm on Kratom

Boston—The Drug-Induced Liver Injury Network (DILIN) is raising concerns about patients presenting with severe liver disease after consuming kratom, a botanical product with opioid-like effects that has become increasingly popular in the wake of the opioid epidemic.

Derived from the Mitragyna speciosa, an evergreen indigenous to Southeast Asia, kratom triggers opioid receptors, acting as a stimulant in low doses but a sedative/hypnotic agent in higher doses. In 2018, researchers identified at least five people in the DILIN database who had experienced liver injury after consuming kratom. That was up from one in 2016, they reported.

“I think that all providers and consumers should be aware that this product is out there and is quite accessible,” said Victor J. Navarro, MD, the chief of hepatology at the Einstein Healthcare Network in Philadelphia, who presented the findings at the 2019 Liver Meeting of the American Association for the Study of Liver Diseases (abstract 212). “From the perspective of the DILIN, we feel this is a bellwether that not only are we seeing increased use of kratom, but that liver injury might be one characteristic of its use.”

To help describe kratom-associated hepatotoxicity, Dr. Navarro and his colleagues examined 404 cases of herbal and dietary supplement–associated liver injury in the DILIN between 2004 and 2018. Of these, eight were associated with products containing kratom: two in 2008, one in 2016 and five in 2018.

A causal association with kratom was established in seven of the eight cases (median age, 46 years; range, 25-70 years). Six cases occurred in men.

In five of the eight cases, patients reported having used kratom for its psychotropic effects; one said they took it for joint pain. The products were used for a median of 22 days (range, 15-49 days) before the onset of liver injury. Five patients had jaundice, six itching, five abdominal pain and three fever; none had rash.

Median laboratory values among the eight patients were as follows:

alanine aminotransferase at onset: 326 U/L (range, 52-588 U/L);
aspartate aminotransferase: 154 U/L (range, 29-367 U/L);
alkaline phosphatase: 292 U/L (range, 181-365 U/L); and
total bilirubin: 9.5 mg/dL (range, 5.2-36.2 mg/dL).

The corresponding peak values of these results were 362 U/L, 154 U/L, 294 U/L and 20.1 mg/dL. The median R value at onset was 3.0 (range, 0.9-3.2), which the researchers said indicates mixed hepatocellular and cholestatic injury.

Two of the patients underwent biopsy, which demonstrated cholestasis. Although six patients were hospitalized, all recovered without a transplant. Three products underwent chemical analysis; all three had kratom compounds and no other toxins.

“I think the importance of disseminating this is very timely with the opioid epidemic,” said Meena B. Bansal, MD, a professor of medicine at Mount Sinai Medical Center, in New York City. “Physicians may be seeing an increased incidence of this and really need to be watchful.”

—Michael Vlessides

https://www.gastroendonews.com/FDA-Upda ... zfNwU0W31E

Re: kratom

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Nomad hat geschrieben: 2. März 2020, 21:01 Nach meinen Erfahrungen sind die mir bekannten Phytoopioide im großen und ganzen ziemlich sicher im Umgang.
Gibt es da noch wesentlich mehr als Kratom? Von einem oder zwei habe ich schonmal gehört, allerdings fallen mir die gerade auch nicht mehr ein.
„Sapere aude" ---laut der Übersetzung von Immanuel Kant; „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Re: kratom

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Nomad hat geschrieben: 2. März 2020, 21:01 Nach meinen Erfahrungen sind die mir bekannten Phytoopioide

Interessantes wort, habe ich noch nie gehört. Was gibt es denn dort noch außer kratom?

Anosnten würde ich kratom keinem empfehlen der schon suchtprobleme hatte bei zb Weed. Denn kratom wird ihn nochmals viel mehr drauf bringen, also obacht!!

Re: kratom

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strobo hat geschrieben: 20. Februar 2018, 18:25 Im übrigen halte ich Kratom für eine gute Droge, denn sie ist sehr Risikoarm und hat z.b. schon vielen geholfen, ihre Opiatsucht in den Griff zu bekommen. Hierzu gibt es zu hauf positive Berichte
Wo?

Ist damit gemeint, dass Kratom quasi als weniger abhängigkeitserzeugendes Opioid lebenslang eingenommen wird oder als Zwischenschritt zur totalen Abstinenz dienen soll, ähnlich wie z.B. Methadon, wie es von staatlich finanzierten Stellen zur Behandlung von Opioid-Abhängigkeit eingesetzt wird?

Sollte ersteres zutreffen: hat man da nicht die veränderten Leberwerte, die später in dem Thread erwähnt werden, zu berücksichtigen?
„Sapere aude" ---laut der Übersetzung von Immanuel Kant; „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Re: Kratom

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Hallo Bettlektüre,
mittlerweile sehe ich Kratom wohl um einges kritischer.
Allerdings halte ich es immer noch für ein gut handhabbares Opioid im Vergleich zu anderen.
Es gibt etliche User die damit erfolgreich von Pharma-Opis wie H, Oxys, Tilidin, Tramadol oder auch von ihren H-Substitutionen weg gekommen sind.

Ja es gibt Leute die es als Substi nehmen weil sie vorher polytox waren oder eben Opi-süchtig. Oder trockene Alkoholiker.
Dann gibt es Schmerzpatienten. Dann auch welche die es vorübergehend als Subsitut nehmen.
Und auch welche die es gegen psychische Probleme nehmen (das geht dann leider in einigen Fällen auf lange Sicht nach hinten los wie bei andern Opis und den meisten klassischen Drogen auch).

Man darf halt nicht vergessen, dass es auch körperlich abhängig machen kann und auch macht bei längerem Dauerkonsum. Der Entzug ist nicht so harmlos wie oft dargestellt wird. Liegt wohl an der komplexen Alkaloidzusammensetzung und dass es nicht nur auf die Opioidrezeptoren wirkt sondern auch auf andere. Das ist aber sehr subjektiv. Auch gibt es riesige Unterschiede in den Sorten bei der Zusammensetzung. Einige Sorten (White Vein oder "weißes Kratom" z.b.) wirken eher wenig opioid, dafür mehr pushend. Rote Sorten dagegen wirken oft stärker opioid. Grüne Sorten sind oft irgendwo in der Mitte, gibt aber auch da oft Ausnahmen.

Also ich habe mich die letzten Jahre viel mit andern Kratomkonsumenten ausgetauscht (auch welche die viel konsumieren) und nur sehr wenige (wenn überhaupt) haben deswegen irgendwie feststellbar veränderte Leberwerte bekommen. Das soll keine Verharmlosung sein! Ich gebe nur das weiter was ich so mitbekomme.

e: Was ich noch sagen wollte - es kommt sicher auch stark auf die konsumierte tägliche Dosis an, sowie allgemeine Gesundheit, Beikonsum, Medikamente etc.
Ich glaube ein gesunder Mensch, der niedrig bis mittel dosiert - auch dauerhaft täglich - Kratom konsumiert wird körperlich keine Probleme bekommen.
Wie es bei hochdosiertem Konsum aussieht - darüber kann man spekulieren. Entscheidend ist sicher auch die Qualität des Materials. Konsumenten haben sich z.b. schon oft Gedanken über Pestizidbelastung o.ä. gemacht. Aber warum sollen die Bauern in Indonesien solche Mittel einsetzen? Kratom ist ihre Lebensgrundlage (von vielen) und der westliche Markt ist mittlerweile sehr anspruchsvoll was die Qualität betrifft.
Wenn dann wären das eher die Gründe sich zu Sorgen, nicht das Pflanzenmaterial selber.

Wenn du dich dafür genau interessierst, schau doch mal hier vorbei:
https://forum.kratom.ink/
In dem Forum wird sich auch z.T. sehr kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch zu Themen wie Entzug, Probleme, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen etc.
Siehe auch:
Kratom-Konsumleitfaden

Weitere Fragen versuche ich gern zu beantworten.

Re: Kratom

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort, strobo!

Ist eigentlich bekannt, durch welche pharmakologischen Mechanismen die teilweise stimulierende Wirkung von Kratom zusammenkommt? Zumindest in bestimmten Dosen und/oder bestimmten Varietäten der Art Mitragyna speciosa.
„Sapere aude" ---laut der Übersetzung von Immanuel Kant; „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Re: Kratom

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Ich komme noch mal drauf zurück.
Bis dahin kannst du evtl. mal hier reinlesen.

The Potential for Kratom as an Antidepressant and Antipsychotic
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7309668/
Published online 2020 Jun 29.
Hier steht zusammengefasst der derzeitige Stand der Wissenschaft zu Pharmakologie, Pharmakokinetik, beteiligte Enzyme im Stoffwechsel, etc. drin.

Außerdem noch zitiert aus dem Buch "Kratom" von Dirk Netter:
In zahllosen Literaturstellen wird auf die paradox Wirkung von Kratom hingewiesen. Eine niedrige Dosierung, meist durch Kauen erreicht, weist eine stimulierende Wirkung auf, während höhere Dosen sedierende und schmerzdämpfende Wirkungen erzielen. Verantwortlich für diese Wirkung ist zum einen das Alkaloid Mitragyin, welches eine mit Codein vergleichbare, analgetische Wirkung zeigt, ohne jedoch dessen Nebenwirkungen zu teilen.

Zum anderen ist der der Wirkstoff 7-Hydroxymitragynin, der im Vergleich zu Mitragynin in weit geringeren Dosierungen vorkommt und eine wesentlich stärkere analgetische Wirkung aufweist. Die sedierende Wirkung kommt zustande, wenn durch die erhöhte Einnahme von Kratom eine größere Menge 7-Hydroxymitragynin komsumiert wird (GRIFFIN 2018: 73).

Die aktivierende Wirkung von niedrig dosierten Opioiden konnte bereits am Beispiel von Morphin bewiesen werden. Das Vorliegen eines ähnlichen Wirkmechanismus' im Falle von Kratom ist daher sehr plausibel (ADKINS et al. 2011: 1165f.)
Siehe evtl auch hier.

e:
Freilich nicht unbedingt wissenschaftlich, aber:
https://mindzone.info/drogen/kratom/
Die Wirkung von Kratom ist sehr unterschiedlich und kann als paradox bezeichnet werden. In geringen Dosen wird die Wirkung als stimulierend und euphorisch beschrieben, in höheren Dosen als beruhigend und dämpfend. Dies wird so erklärt, dass Mitragynin in kleinen Mengen die Delta-Opioid-Rezeptoren stimuliert, aber dazu neigt, in größeren Mengen Mu-Opioid-Rezeptoren zunehmend zu stimulieren. Diese sind dieselben Rezeptoren, die bei der Einnahme von Opiaten stimuliert werden.

Re: Kratom

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strobo hat geschrieben: 30. Januar 2021, 11:00 The Potential for Kratom as an Antidepressant and Antipsychotic
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7309668/
Dass Opioide antidepressiv und antipsychotisch wirken, überrascht micht nicht sonderlich, sondern ist üblich für die Substanzklasse. Auch das atypisch wirkende trizyklische Antidepressivum Tianeptin (in Österreuich unter dem Markennamen Stablon (R) am Markt) wirkt unter anderem opioid.

Wenn ich so darüber nachdenke, deckt sich das auch mit meiner einen Erfahrung mit einem Fentanyl-Pflaster: das war sehr euphorisch und in dem Dosisbereich auch eher stimulierend.

Ich muss mir mal das verlinkte Paper genau durchlesen. Gleich im Abstract steht:
research has shown one of its active components has effects on the same receptors to which some antipsychotics bind, such as D2 dopamine, serotonin (5-HT2C and 5-HT7), and alpha-2 adrenergic receptors
Leider steht dort noch nicht dabei, ob es als Agonist oder Antagonist wirkt... Wenn es als Agonist wirken würde, würde das die stimulierende Wirkung erklären.

Nur so eine Arbeitshypothese: vielleicht wirkt Mitragynin verstärkt am delta-Opioid-Rezeptor und wird vom menschlichen Körper in 7-Hydroxymitragynin metabolisiert, das dann insgesamt stärker und auch mehr am my-Opioid-Rezeptor wirkt?

Ach so, ich habe vor etwas über einer Stunde ein Gramm eines (laut Verkäufer) besonders stimulierenden Kratom-Variante aus Bali eingenommen. Schauen wir mal, ob das mit der behaupteten antriebssteigernden Wirkung mich beim Lesen des Papers weiterbringt... :blacklol:

EDiT: möglicherweise liegt die stimulierende Wirkung von Mitragynin auch daran, dass es am α2-adrenergen Rezeptorrn wirkt , vgl. hier: "Mitragynine also stimulates α2-adrenergic receptors".
„Sapere aude" ---laut der Übersetzung von Immanuel Kant; „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

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